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Krank in der Immobilie – Wie sich das für Betroffene rechtlich auswirken kann

Krank in der Immobilie - Wie sich das rechtlich auswirken kann
Wie sich das für Betroffene rechtlich auswirken kann Wer ernsthaft krank ist, der hat in der Regel alleine dadurch schon genügend Probleme. Aber diese können sich noch verschärfen, wenn sich der Gesundheitszustand auf das Mietverhältnis oder auf gesteigerte Ausgaben für einen behindertengerechten Umbau auswirken. Der Infodienst Recht und Steuern der LBS hat einige Urteile deutscher Gerichte gesammelt, die sich mit diesem Themenkomplex befassen. Unter anderem geht es um die Frage, wie viele Ruhestörungen die Mitbewohner in einer Wohnanlage hinnehmen müssen und wann eine Kündigung des Mietvertrages angemessen ist.

Wer ernsthaft krank ist, der hat in der Regel alleine dadurch schon genügend Probleme. Aber diese können sich noch verschärfen, wenn sich der Gesundheitszustand auf das Mietverhältnis oder auf gesteigerte Ausgaben für einen behindertengerechten Umbau auswirken.

Der Infodienst Recht und Steuern der LBS hat einige Urteile deutscher Gerichte gesammelt, die sich mit diesem Themenkomplex befassen. Unter anderem geht es um die Frage, wie viele Ruhestörungen die Mitbewohner in einer Wohnanlage hinnehmen müssen und wann eine Kündigung des Mietvertrages angemessen ist.

Pfefferspray gegen Nachbarin

Eine psychisch kranke Mieterin ging eine Nachbarin auf höchst ungewöhnliche Weise an. Sie drückte diese Frau an die Wand und setzte Pfefferspray ein, um an deren Wohnungsschlüssel zu gelangen. Das erschien dem Landgericht Hamburg (Aktenzeichen 316 T 24/21) trotz der gesundheitlichen Probleme der Mieterin dann doch als ein unzumutbares Verhalten. Das Toleranzgebot ende dort, wo ein kranker Mieter die Gesundheit anderer Mieter im Haus ernsthaft gefährde. Die fristlose Kündigung sei deswegen gerechtfertigt gewesen.

Störung des Hausfriedens

Nicht jede Störung des Hausfriedens reicht allerdings bereits aus, um das Mietverhältnis beenden zu können. Vielmehr muss eine unzumutbare Geräuschentfachung eines Nachbarn nachgewiesen werden. In einem vom Landgericht Frankfurt (Aktenzeichen 2-13 S 88/20) entschiedenen Fall war dies dem Kläger nicht möglich. Das Gericht wies darauf hin, bereits durch das Schließen der Fenster sei das Problem zu beheben gewesen.

Mieter im Krankenhaus, Wohnung geräumt

Wenn ein Vermieter eigenmächtig die Räumung einer Wohnung veranlasst, während sich der Mieter im Krankenhaus befindet, dann kann ihn das teuer zu stehen kommen. Das Amtsgericht Berlin-Schönefeld (Aktenzeichen 6 C 276/18) sprach dem Geschädigten Schadenersatz und Schmerzensgeld für diese ungerechtfertigte Aktion und verbotene Selbsthilfe zu.

Grundstückkosten keine außergewöhnliche Belastung

Ein Bauherr wollte die Kosten für den Erwerb eines größeren Grundstücks zur Errichtung eines behindertengerechten eingeschossigen statt des bisherigen zweigeschossigen Bungalows steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

Der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 42/13) beschied dies letztinstanzlich abschlägig, denn es fehle im vorliegenden Fall an der erforderlichen Zwangsläufigkeit. Der Kauf eines größeren Grundstücks sei nicht zwingend erforderlich gewesen, um mit der Behinderung besser umgehen zu können. Vielmehr handle es um eine frei gewählte, großzügigere Wohnungsgröße der Betroffenen. Die Anschaffungskosten für ein Grundstück hätten im Gegensatz zu den konkreten behindertengerechten baulichen Maßnahmen keinen Bezug zur Krankheit.

Wegen Zahlungsverzug fristlos gekündigt

Psychische Erkrankungen führen manchmal dazu, dass Betroffene ihrer Erwerbstätigkeit nicht oder nicht in gewohntem Umfang nachgehen können. So war es bei einem Freiberufler, den eine schwere Depression daran hinderte, ausreichend Geld zu verdienen, um seine Mietwohnung zu bezahlen. Leistungen des Jobcenters nahm er als Folgeerscheinung seiner Krankheit nicht in Anspruch.

In diesem Fall war nach Ansicht des Amtsgerichts Münster (Aktenzeichen 4 C 3363/19) trotz des Zahlungsverzuges eine fristlose Kündigung des Mietverhältnisses nicht angemessen, da es an einer schuldhaften Pflichtverletzung fehle. Der fehlende Betrag sei inzwischen auch überwiesen worden.

Kündigung nicht akzeptiert

Die Abmahnung eines Mieters wegen Fehlverhaltens ist auch dann erforderlich, wenn der Eigentümer einer Immobilie der Meinung ist, der Mieter sei auf Grund psychischer Probleme ohnehin nicht in der Lage, an seinem Verhalten etwas zu ändern. So dachte es ein Vermieter bei seinem an einer endogenen Psychose leidenden Mieter und verzichtete deswegen auf die Abmahnung. Das Amtsgericht Gelsenkirchen (Aktenzeichen 205 C 5/16) akzeptierte diese Kündigung nicht.

Maschendraht gegen Holzlattenzaun

Die Eltern eines von Autismus betroffenen Kindes, das gewisse Weglauftendenzen zeigte, tauschten den Maschendrahtzaun ihres Grundstücks teilweise durch einen blickdichten Holzlattenzaun aus. Sie hofften nach eigener Aussage, auf diese Weise das Problem besser in den Griff zu bekommen. Im Anschluss machten sie die Ausgaben dafür als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 5 K 1934/11) wies dies zurück, da ein Gartenzaun zu den üblichen Kosten der Lebensführung zähle und ein teilweiser Austausch auch kaum dazu geeignet sei, die Weglauftendenz entscheidend zu verringern.

Eigenbedarfskündigung einen Härteeinwand

Menschen mit stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen können gegen eine Eigenbedarfskündigung einen Härteeinwand geltend machen. So dachte es ein Mieter und legte seinen Behindertenausweis, ein allgemeinärztliches Attest und ein Pflegegutachten vor.

Dies schien dem Amtsgericht Flensburg (Aktenzeichen 61 C 55/24) aber zu pauschal. Um erfolgreich gegen eine Kündigung wegen Eigenbedarf vorzugehen, sei es nötig, genauer darzulegen, welche Erkrankung vorliegt und warum diese einen Umzug drastisch erschwert.

Dr. Ivonn Kappel

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Die Hälfte der Erbbaurechtsgeber gibt Rabatte auf den Erbbauzins

Die Hälfte der Erbbaurechtsgeber gibt Rabatte auf den Erbbauzins
Bildquelle: Deutscher Erbbaurechtsverband / Canva

Für den aktuellen „Erbbaurechtsmonitor“ hat der Deutsche Erbbaurechtsverband Erbbaurechtsgeber aus ganz Deutschland befragt. Überwiegend handelte es sich dabei um Kommunen, Kirchen und kirchliche Stiftungen. Die Online-Befragung fand im Frühjahr 2025 statt und beleuchtet verschiedene Aspekte der Vertragsgestaltung und Vergabepraxis im Erbbaurecht.

Im Ergebnis zeigt sich: 50 Prozent der Befragten gewähren gar keine Rabatte auf den Erbbauzins. 30 Prozent erlauben Preisnachlässe für gemeinnützige Organisationen, 19 Prozent für Familien und ebenso viele für andere Zielgruppen. Nur wenige Erbbaurechtsgeber nennen soziale Härtefälle (6 Prozent), langjährige Erbbaurechtsnehmer (5 Prozent) oder Senioren (2 Prozent) als begünstigte Gruppen. Dass Privatpersonen von Rabatten auf den Erbbauzins profitieren, ist demnach eher die Ausnahme als die Regel.

Erbbaurechte dienen nicht zwingend einem sozialen Zweck

„Viele Erbbaurechtsgeber verfolgen mit den Erbbaurechten einen bestimmten Zweck: Kommunen setzen sie beispielsweise ein, um einen Einfluss auf die Nutzung der Grundstücke zu behalten. Stiftungen brauchen die Einnahmen, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen.

Das bedeutet: Erbbaurechte sind nicht automatisch ein Instrument des sozialen Wohnungsbaus“, sagt Ingo Strugalla, Präsident des Deutschen Erbbaurechtsverbands. „Häufig sprechen auch satzungs- oder haushaltsrechtliche Vorgaben dagegen, bestimmte Gruppen – in diesem Fall Immobilieneigentümer – zu subventionieren.“


Über den Deutschen Erbbaurechtsverband:

Der Deutsche Erbbaurechtsverband e. V. wurde 2013 gegründet. Er ist ein Zusammenschluss aus namhaften Erbbaurechtsausgebern, die bundesweit einen erheblichen Anteil der im Erbbaurecht ausgegebenen Flächen repräsentieren, sowie Dienstleistern der Branche. Der Deutsche Erbbaurechtsverband vertritt die Interessen der Erbbaurechtsgeber in Deutschland gegenüber Öffentlichkeit, Medien, Politik und Verwaltung und versteht sich als universeller Ansprechpartner zum Thema Erbbaurecht. Er ist unabhängig, parteipolitisch neutral und nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet. Der Präsident des Verbandes ist Ingo Strugalla. Geschäftsführer ist Dr. Matthias Nagel. www.erbbaurechtsverband.de

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Vorsicht Betrugsversuch: Energieverträge ohne Zustimmung

Vorsicht Betrugsversuch: Energieverträge ohne Zustimmung
In letzter Zeit häufen sich wieder Fälle untergeschobener Energieverträge. Handeln Sie sofort. Kontaktieren ihren aktuellen Energieversorger und stellen klar, dass kein Vertragswechsel gewünscht ist. Foto: Wohnungswirtschaft heute. de / Gerd Warda

Unerlaubte Anrufe, erfundene Kundendaten und Vertragsbestätigungen trotz klarer Ablehnung: In letzter Zeit häufen sich wieder Fälle untergeschobener Energieverträge. Die Verbraucherzentrale warnt daher vor aufdringlichen Anbietern und klärt, wie sich Betroffene schützen können.

„Uns liegen mehrere Fälle vor, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich erklärt haben, keinen Vertrag abschließen zu wollen – dennoch erhielten sie im Anschluss Vertragsunterlagen oder -bestätigungen“, erklärt René Zietlow-Zahl, Energierechtsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

„Besonders kurios sind Fälle, in denen die übermittelten Daten offensichtlich frei erfunden sind. Dazu gehören falsche Zählernummern, fiktive Geburtsdaten und unzutreffende Kontaktinformationen.“

Mehrere Betroffene melden zudem, dass sie wiederholt von Vertretern angerufen wurden. Erfolgen solche Anrufe unangekündigt, können sie der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Die Behörde geht gegen unerlaubte Telefonwerbung vor und kann Bußgelder verhängen.

Verträge bestreiten, Versorger informieren

Energieverträge können ausschließlich in Schriftform abgeschlossen werden. Das bedeutet, sowohl das Angebot als auch die Annahmeerklärung müssen schriftlich vorliegen. Mündliche Zusagen oder Aussagen am Telefon führen nicht zu einem wirksamen Vertragsabschluss.

„Trotzdem raten wir dringend dazu, untergeschobene Verträge umgehend zu bestreiten. Betroffene sollten unmittelbar ihren aktuellen Energieversorger kontaktieren und klarstellen, dass kein Vertragswechsel gewünscht ist. Insbesondere bei Stromverträgen ist ein Wechsel mittlerweile sehr schnell durchgeführt und kann in der Regel nicht rückgängig gemacht werden“, hält der Experte fest. Auch sollten eingehende E-Mails und Briefe genau geprüft werden. Denn wichtige Schreiben wie Vertragsbestätigungen werden schnell übersehen, weil sie häufig wie Werbung aussehen.

Verhaltenstipps an Haustür und Telefon

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ungebetenen Vertretern grundsätzlich keinen Zutritt zum eigenen Grundstück gewähren. Weigern sich die Personen trotz Aufforderung zu gehen, kann zur Unterstützung die Polizei gerufen werden. Auch am Telefon ist Vorsicht geboten: Wer unerwünscht angerufen wird, sollte das Gespräch sofort beenden und keinerlei persönliche Daten bestätigen oder preisgeben. Dieses konsequente Vorgehen hilft, sich vor untergeschobenen Verträgen und unseriösen Geschäftspraktiken zu schützen.

Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

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KI im Schadenmanagement – INCON treibt die Digitalisierung in Immobilienverwaltungen weiter voran

KI im Schadenmanagement – INCON treibt Digitalisierung voran
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INCON, als digitaler Versicherungspartner treibt die Digitalisierung in Immobilienverwaltungen weiter voran: ab sofort integriert das Unternehmen einen KI-basierten Schadenservice des Assekuradeurs DOMCURA. Damit sorgt für mehr Effizienz, Geschwindigkeit und Servicetiefe bei dem Management von Gebäudeschäden – sowohl intern als auch für das Kundenerlebnis.

KI-gestützte Entlastung im Schadenprozess

INCON managt auf seiner Versicherungsplattform mit persönlichen Experten jährlich über 15.000 Schadenfälle bundesweit. Mit der Integration von KIM werden wiederkehrende Arbeitsschritte vollständig automatisiert, formelle Deckungsprüfungen in Sekunden erstellt und die Schadenmanager nachhaltig entlastet.

„KIM übernimmt Aufgaben wie die Prüfung, Zuordnung und Bearbeitung der Schadenfälle – so können sich unsere Teams auf komplexe Fälle und die persönliche Kommunikation mit Betroffenen fokussieren” erklärt Martin Schellhorn, Geschäftsführer der INCON. „Die Geschwindigkeit und die Präzision sind beeindruckend.”

Mehr Tempo – mehr Service – mehr Vertrauen

Dank der KI-Unterstützung läuft das Schadenmanagement deutlich schneller:

Schadenmeldungen werden nun noch zügiger bewertet, Freigaben zur Reparatur in deutlich kürzerer Zeit erteilt, und die persönliche Erreichbarkeit der Schadenmanagerinnen und -manager verbessert. Immobilienverwaltungen profitieren dadurch von spürbar mehr Servicequalität und kürzeren Reaktionszeiten.

„Früher musste ein Schadenmanager nach Eingang der Meldung den Schadenfall individuell prüfen, anlegen, den Schriftverkehr mit der Verwaltung sowie den Betroffenen führen und fehlende Informationen nachfordern”, ergänzt Martin Schellhorn. „All das entfällt nun. Allein die automatische Prüfung mit Folgeschritten spart pro Fall über 60 Minuten. Zudem arbeitet die KI äußerst zuverlässig – sie berücksichtigt alle relevanten Informationen und reduziert Zwischenschritte auf ein Minimum. Es ist kein Zufall, dass Microsoft KIM als „die aktuell beste Schaden-KI“ bezeichnet.”

„Gerade im Schadenfall entscheidet Tempo über Zufriedenheit und Vertrauen“, so Schellhorn weiter. „Wer schnell und kompetent reagiert, wird als zuverlässiger Partner wahrgenommen – das ist für uns sowie unsere Kunden entscheidend.“

Mensch + Technologie = Zukunft des Schadenmanagements

Die Einführung von KIM ist ein weiterer Schritt von INCONs Strategie, menschliche Expertise mit modernster Technologie zu verbinden.

„Unsere Stärke liegt im hybriden Ansatz: Persönliche Expertise und technologische Power gehen bei uns Hand in Hand“, erklärt Martin Schellhorn. „Mit KIM schaffen wir zusätzliche Kapazitäten – und das bei noch höherer Qualität und Verlässlichkeit.“

Uwe Schumacher, Vorstandsvorsitzender der DOMCURA AG, betont: „KIM ist so konzipiert, dass sie in Unternehmen verschiedenster Größe eingesetzt werden kann – schnell, sicher und DSGVO-konform. Innerhalb weniger Wochen konnten wir KIM erfolgreich bei INCON zum Einsatz bringen – dies zeigt, wie universell unsere täglich lernende KI-Lösung nutzbar ist. Sie schafft einen echten Mehrwert – für Unternehmen und Kunden gleichermaßen.“

Elif Tuç

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Vonovia-Aufsichtsrat ernennt Katja Wünschel zum Chief Development Officer und verlängert Vertrag von Ruth Werhahn vorzeitig

Vonovia-Aufsichtsrat ernennt Katja Wünschel zum CDO
Katja Wünschel. Foto: RWE / André Laaks

Der Aufsichtsrat der Vonovia SE („Vonovia“) hat einstimmig entschieden, Katja Wünschel zum neuen Chief Development Officer (CDO) von Vonovia zu bestellen. Sie tritt am 1. April 2026 in das Unternehmen ein und übernimmt die Vorstandsposition zum 1. Juni 2026. Sie folgt auf Daniel Riedl, der den Vorstand von Vonovia nach der zweimonatigen Einführungsphase von Katja Wünschel zum 31. Mai 2026 im besten gegenseitigen Einvernehmen verlässt.

Clara C. Streit, Vorsitzende des Aufsichtsrats von Vonovia: „Mit Katja Wünschel konnten wir eine unternehmerisch sehr erfahrene Führungspersönlichkeit für unser Development-Geschäft gewinnen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Projektgeschäft und in der Realisierung großer Investitionsprojekte. Ihre umfangreichen Kenntnisse in der Planung und Umsetzung von Bau- und Entwicklungsprojekten werden für die weitere Entwicklung des Neubaus und insbesondere den seriellen Neubau bei Vonovia sehr wertvoll sein. Das Development ist seit 2018 ein zentraler Baustein für das Wachstum von Vonovia. Wir freuen uns als Aufsichtsrat, dass unser Neubaugeschäft auch künftig in verantwortungsvollen Händen liegt. Im Namen des gesamten Aufsichtsrates wünsche ich Katja Wünschel schon jetzt viel Erfolg und gutes Gelingen. Bei Daniel Riedl möchte ich mich nochmals herzlich auch im Namen des gesamten Aufsichtsrats bedanken, dass er sie bei der Übernahme ihrer neuen Verantwortung mit seiner Expertise und Erfahrung unterstützt.“

Katja Wünschel: „Nach über 20 Jahren in der Energiebranche – insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien – freue ich mich sehr auf die neuen Herausforderungen bei Vonovia und danke für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Beide Branchen eint die Anforderung, zahlreiche Projekte parallel umzusetzen und dabei ein hohes Maß an Standardisierung sicherzustellen. Diese Parallelen in der Projektentwicklung und Realisierung sind für mich eine spannende Grundlage, um mit dem seriellen Neubaugeschäft in eine neue Phase des Bauens einzutreten.“

Biografie Katja Wünschel

Katja Wünschel ist seit dem Jahr 2022 CEO der RWE Renewables Europe & Australia GmbH, die Wind Onshore und Solar Parks entwickelt, baut und betreibt. Zuvor war sie seit 2019 Chief Operating Officer (COO) der Vorgängerorganisation RWE Renewables GmbH. Über zwei Jahrzehnte hat sie in führenden Positionen in der Energiewirtschaft im In- und Ausland gewirkt.

Katja Wünschel begann ihre berufliche Karriere 1999 im Bayer-Konzern und wechselte 2002 zum Energieversorger E.ON. Nach zwei Jahren in der Zentrale sowie weiteren drei Jahren für E.ON in der Tschechischen Republik fand sie 2008 ihren Weg zu den erneuerbaren Energien bei E.ON Climate & Renewables GmbH – zuerst als Direktor für Strategy & Business Development, ab 2011 als Direktor für Global Engineering. Als Direktor für Wind Onshore Europe war sie anschließend für die Projektierung, den Bau und Betrieb der Wind Parks verantwortlich. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth studiert.

Vertrag von CHRO Ruth Werhahn vorzeitig bis 30. September 2029 verlängert

Zudem hat der Aufsichtsrat den Vertrag von CHRO Ruth Werhahn, die seit Oktober 2023 die Verantwortung für das Personalressort, die Handwerkerorganisation (Vonovia Technischer Service), die IT und den Zentralen Service innehat, vorzeitig bis 30. September 2029 verlängert.

Clara C. Streit: „Ruth Werhahn hat in den vergangenen zwei Jahren unsere Arbeitgebermarke und Unternehmenskultur positiv weiterentwickelt und die von ihr verantworteten Unternehmensbereiche unternehmerisch erfolgreich aufgestellt. Gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel kommt der Personalfunktion eine zentrale strategische Rolle zu.“

Ruth Werhahn: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Heute und auch in Zukunft ist eine attraktive und moderne Unternehmenskultur entscheidend für das Unternehmenswachstum. Wir haben allein in diesem Jahr rund 2.800 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem im handwerklichen Bereich, für uns begeistern können und wachsen weiter. Wohnen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. Und es ist vor allem den Mitarbeitenden von Vonovia zu verdanken, dass das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist, und gleichzeitig seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt.“

Quelle: Vonovia

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Intelligente Datenerfassung: vom Funkprotokoll bis zum „grünen Haken“ im Keller

Intelligente Datenerfassung: Funkprotokoll bis zum „grünen Haken“
Das HEIKOM-Panel „Intelligente Datenerfassung“ zeigte die ganze Kette – von der Auswahl des Funkwegs über Gateways und Konnektivität bis zur sauberen Übergabe in Abrechnung und GLT. Der rote Faden: Interoperabilität + Betriebssicherheit + Automatisierung – und zwar so, dass Rollouts bis 2026/27 realistisch bleiben. Spannend auch die Fragen aus dem Publikum, die Moderator Axel Müller gleich an die Akteure auf der Bühne weitergab. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Das HEIKOM-Panel „Intelligente Datenerfassung“ zeigte die ganze Kette von der Auswahl des Funkwegs über Gateways und Konnektivität bis zur sauberen Übergabe in Abrechnung und GLT.

Acht Aussteller deckten unterschiedliche Lücken ab: Webdyn, Sonexa, Elvaco, Qundis, Relay, Pironex, Solvimus, Engelmann. Der rote Faden: Interoperabilität + Betriebssicherheit + Automatisierung, und zwar so, dass Rollouts bis 2026/27 realistisch bleiben.

Die zentralen Herausforderungen

  • Technologiemix statt EIN Standard: wM-Bus/OMS, LoRaWAN, LTE-M, (S)MGP/SMGW – jedes Haus/Quartier hat andere Randbedingungen. Entscheidungen müssen rückwärtskompatibel und skalierbar sein.
  • Zeit am Objekt ist knapp: Wiederholfahrten, Testauslesungen und Repeater-Tuning fressen Kapazität. „Green-Check“ bei der Erstmontage wird zum Engpasslöser.
  • Silos in der Datenweitergabe: Abrechnung will CSV/FTP, die GLT spricht BACnet/Modbus, IT/Cloud will HTTP/JSON/MQTT – ein Format genügt selten.
  • Betrieb ohne Sicht: Unklare Batteriestände, Funklöcher, fehlende Alarme → Datenlücken → Abrechnungsstress.
  • Security & Governance: E2E-Verschlüsselung, Schlüsselmanagement, ISO-konformes Betriebsmodell – ohne Vendor-Lock-in.

Wie die Aussteller die Lücken schließen

Webdyn – Funkwege wählen, nicht glauben.
Einordnet, wann wM-Bus/OMS (dichte, „vertikale“ Gebäude) punktet, wann LoRaWAN (Areal/Reichweite) Sinn ergibt, und was OMS 5 (Burst/Splitting, bidirektional, synchron) künftig ermöglicht. Edge-fähige Gateways machen Regelungs-/Downlink-Szenarien anschlussfähig – heute OMS-5-ready planen, schrittweise migrieren.

Sonexa – API-first statt Portalslalom.
Metering-Plattform als Integrations-Layer: Masterdaten-Sync (Project-API), Key-Exchange-API, Measurement-API (gezielte Werte), Parametrization-API (Remote-Konfig, z. B. LoRaWAN), plus Message Queue für hohe Gerätedichten. Ergebnis: weniger Medienbrüche, skalierbare Prozesse.

Elvaco – Datentransport „aus einer Hand“.
Paket aus Sensorik/Gateway, gemanagter Konnektivität (LTE-M mit Fallback), Cloud-Weiterleitung und offenen Zielkanälen (Webhook/API). Ziel: schneller Rollout trotz Fachkräftemangel und frühe Anschlussfähigkeit für zusätzliche Innenraumsensorik (ZEB).

Qundis – Inbetriebnahme zählt.
Gateway/Repeater plus Installations-App mit Live-Feedback (Pegel, Gerätesicht, Qualität). Der „grüne Haken“ im Keller ersetzt die Testauslesung – Zeit halbieren, Zweitfahrten vermeiden, Rolloutkurve planbar machen.

Relay – Hybrid statt Dogma.
M-Bus-Backbone (robust, diagnosefähig) + Wireless-OMS-Empfänger an sinnvollen Punkten → oft ohne Repeater. Datenhoheit bleibt beim Kunden (E-Mail/FTP/eigene Cloud), optional EVE-Plattform mit KI-Plausibilisierung und HK-Abrechnung.

Pironex – Sicht auf Batterien & Funk.
Gateway-Design mit Langlauf-Elektronik, NFC-Auslesung (auch im ausgeschalteten Zustand), Empfangstests, Telemetrie und Batterie-Prognosen. Device-Management/Alarme + REST-API: De-Risking im Betrieb, weniger Überraschungen in der Abrechnung.

Solvimus – Edge-Drehscheibe ohne Cloud-Pflicht.
Ein Gerät bedient gleichzeitig Abrechnung (CSV/FTP), IT/Cloud (HTTP/JSON), Gebäudeautomation (BACnet/Modbus – auch „Secure“). Plus: Aufnahme von Zählern UND Sensorik (OMS) – ein Edge-Knoten, viele Protokollwelten.

Engelmann – Intelligenz beginnt am Endgerät.
Vendor-agnostisches OMS-Gateway mit LTE-M und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (≥ ~12 Jahre Laufzeit) + Plattform für Monitoring/automatisierten Import in die Abrechnung. Neuer HKV erkennt und meldet die Rückenplattesaubere Stammdaten, weniger Folgekosten.

Was Entscheider:innen jetzt konkret mitnehmen können

  • „Primärfunk“ bewusst wählen: Gebäudedichte → wM-Bus/OMS; Fläche/Quartier → LoRaWAN; OMS 5 für künftige Downlinks einplanen.
  • Erstmontage industrialisieren: Live-Feedback, standardisierte Workflows, klarer „Go/No-Go“ vor Verlassen des Objekts.
  • Edge vor Cloud: Daten formatgerecht parallel verteilen (Abrechnung/GLT/IT) – Cloud als Option, nicht als Zwang.
  • Betrieb messbar machen: Telemetrie, Batterie-Prognosen, Alarmregeln, Ticketing-Hooks – TCO sinkt, Abrechnungssicherheit steigt.
  • API-Pflicht („no copy & paste“): Masterdaten-Sync, Schlüsselverwaltung, Remote-Parametrisierung und Message-Queues gehören ins Pflichtenheft.

Kurz erklärt (Glossar)

  • wM-Bus / OMS: Funkstandard (Open Metering System) fürs Submetering; große Gerätebasis, abrechnungsfest.
  • OMS 5 (Burst/Splitting): Neue OMS-Profile mit robusteren Übertragungen, Synchronität und Perspektive auf Bidirektionalität; rückwärtskompatibel zu C-Mode.
  • LoRaWAN: LPWAN für große Reichweiten/Areale; kleine Telegramme, Duty-Cycle beachten, für Steuerung Downlinks sauber planen.
  • M-Bus (verkabelt): Drahtgebundener Standard im Gebäude; diagnosefähig, reichweitenunabhängig – ideal als Backbone.
  • LTE-M: 4G-IoT-Funk mit guter Gebäudedurchdringung und moderatem Energiebedarf.
  • Edge-Gateway: Vor-Ort-Knoten, der erfasst, konvertiert und verteilt (CSV/FTP, HTTP/JSON, BACnet/Modbus) – ohne Cloud-Pflicht.
  • Message Queue: Ereignis-Warteschlange zur Lastverteilung bei vielen Devices/Datenströmen.
  • E2E-Verschlüsselung: Entschlüsselung erst im Zielsystem – schützt Transportwege/Zwischenstationen.
  • „Green-Check“ (Erstmontage): App-gestützter Live-Nachweis, dass Gerät→Gateway→Backend zuverlässig läuft – vermeidet Testauslesung/Zweitfahrt.
  • NFC-Auslesung: Lokaler Zugriff auf Gerätestatus/Parameter selbst am ausgeschalteten Gateway – hilfreich bei Rollout & Service.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Intelligente Datenerfassung im Wandel: LoRaWAN, wM-Bus und OMS 5 Burst im Vergleich

Warum Webdyn die Funkfrage neu sortieren will und worauf Verwalter jetzt achten sollten. Im Panel „Intelligente Datenerfassung“ eröffnete Sergio Caré Lucas (Webdyn / Flexitron Group) mit einem Blick auf die Funkbasis der ganzen Digitalisierungsdebatte: Wie kommen Messwerte aus Zählern und Sensoren eigentlich zuverlässig ins Backend und wie lassen sich künftige Steuerungsaufgaben abbilden?
Zähler zuverlässig fernauszulesen reicht nicht mehr. Entscheidend sind Kosten, Interoperabilität und Skalierbarkeit , sagte Sergio Caré Lucas von WEBDYN. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Warum Webdyn die Funkfrage neu sortieren will und worauf Verwalter jetzt achten sollten. Im Panel „Intelligente Datenerfassung“ eröffnete Sergio Caré Lucas (Webdyn / Flexitron Group) mit einem Blick auf die Funkbasis der ganzen Digitalisierungsdebatte: Wie kommen Messwerte aus Zählern und Sensoren eigentlich zuverlässig ins Backend und wie lassen sich künftige Steuerungsaufgaben abbilden?

Der Vortrag legt LoRaWAN, Wireless M-Bus/OMS und das neue OMS 5 Burst Mode nebeneinander und zeigt, warum die Wohnungswirtschaft sich weniger für „die eine“ Technologie entscheiden sollte, sondern für eine Architektur, die mehrere Wege beherrscht.


Herausforderungen

  • Viele Funkbegriffe, wenig Klarheit
    LoRaWAN, wM-Bus, OMS, Burst, Splitting – für Nicht-Funkprofis schwer zu greifen, welche Technik wofür taugt.
  • Reichweiten- und Empfangsprobleme
    Funklücken in Kellern und Tiefgaragen führen zu Repeatern, Nachrüstaktionen und unnötigem Opex.
  • Technologieentscheidungen „auf Verdacht“
    Heute installierte Systeme müssen 10–15 Jahre laufen – während OMS 5 Burst und neue LoRa-Gateways erst 2025/26 kommen.
  • Getrennte Welten für Submetering und Gebäudeautomation
    Messdaten laufen über wM-Bus/OMS, während Steuerung (Ventile, Wärmepumpen, Sensorik) oft eigenständige LoRa- oder proprietäre Netze nutzt.
  • Sorge vor Fehlinvestitionen
    Niemand möchte ein Funkkonzept ausrollen, das in drei Jahren nicht mehr zu den Standards passt.

Der Ansatz

Webdyn ist die IoT-Division der Flexitron-Gruppe und liefert Gateways und Edge-Computer für Energiedaten inklusive Steuerung von Wärmepumpen und Anlagen. Im Vortrag werden drei Bausteine skizziert:

1. LoRaWAN für Fläche und Steuerung

  • LPWAN-Technologie mit 2–10 km Reichweite im Freifeld, ein Gateway deckt ganze Areale ab.
  • Batteriebetriebene Sensoren und Zähler, Gateway im Netzbetrieb, immer empfangsbereit.
  • Bidirektional: Downlinks zur Steuerung von Endgeräten (z. B. Ventile, Sensorik, Gebäudeautomation).
  • Laut Präsentation über 500 Unternehmen in der LoRa-Allianz – also breite Hardware-Auswahl.

Webdyn bringt dafür das Adeunis IRIS LoRaWAN Gateway mit integrierbarem Netzwerkserver (LNS), 4G/Ethernet, MQTT und Schnittstellen zu BMS-Systemen (BACnet, Modbus).

2. Wireless M-Bus / OMS als Submetering-Rückgrat

  • Europäischer Standard EN 13757-4, optimiert für 15–50 m Hausfunk.
  • Sehr großer Gerätepark (Heizkostenverteiler, Wasser-, Wärme-, Gaszähler).
  • Geringer Energieverbrauch pro Telegramm, 10+ Jahre Batterielaufzeit möglich.

Das Gateway WebdynEasy wM-Bus kann laut Hersteller pro Hörfenster bis zu 2.000 Geräte empfangen und über LTE-M, NB-IoT oder 2G sicher in die Cloud übertragen.

3. OMS 5 Burst Mode als „Upgrade“ für wM-Bus

Spannend wird es mit OMS 5 Burst Mode:

  • Baut auf wM-Bus auf, nutzt Subcarrier-Modulation bei 868 MHz.
  • Zwei Modi:
    • Single Burst: kurze Sendezeit, wenig Energieverbrauch, aber störanfälliger.
    • Multi Burst: gleiche Daten mehrfach, deutlich robuster – besserer Empfang im Keller/TG, dafür höherer Energiebedarf.
  • Ziel: mehr Reichweite im Gebäude (50–100 m) und bessere Durchdringung.
  • Perspektivisch bidirektional: Fernkonfiguration, Alarmmeldungen, theoretisch sogar Firmware-Updates.
  • Rückwärtskompatibel zu OMS 4 C-Mode – bestehende C-Mode-Infrastruktur soll weiter funktionieren.

Webdyn plant eine neue Gateway-Generation WebdynEasy wM-Bus ver. 2 ab Q2/2026, die OMS 5 Burst unterstützt und gleichzeitig rückwärtskompatibel bleibt.

Kernaussage von Sergio Caré Lucas: OMS 5 Burst wird LoRaWAN nicht ersetzen, sondern ergänzt wM-Bus im Hausfunk; LoRaWAN bleibt für großflächige Netze und breite IoT-Use-Cases gesetzt.


Warum das wichtig ist

Die Wohnungswirtschaft steht mitten im Roll-out fernablesbarer Zähler (HKVO/EED) – und gleichzeitig wächst der Druck, Mehrwertdienste wie Heizungsoptimierung, Raumklima-Monitoring oder Tür- und Lüftungssensorik zu integrieren.

Wer jetzt nur auf „den einen Funkweg“ setzt, riskiert technische Sackgassen. Ein Setup, das wM-Bus/OMS für Submetering und LoRaWAN für Gebäudeautomation beherrscht und gleichzeitig OMS 5-ready ist, erhöht die Zukunftssicherheit – ohne heute alle Entscheidungen vorwegnehmen zu müssen.


Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Wo passt der Webdyn-Ansatz?

  • Bestände, in denen wM-Bus-Submetering bereits etabliert ist, die aber perspektivisch LoRa-Use-Cases (Raumsensorik, Steuerung) aufbauen wollen.
  • Quartiere, in denen ein LoRa-Gateway mehrere Gebäude versorgen kann, während innerhalb der Häuser weiter mit wM-Bus/OMS gearbeitet wird.

Abhängigkeiten & Grenzen

  • OMS 5 Burst ist Stand heute noch Zukunftsmusik – erste Gateways ab 2026, Endgerätehersteller müssen nachziehen.
  • LoRaWAN hat einen strengeren Duty-Cycle und kleinere Nutzlasten – gut für Zustände/Alarme, weniger für große Datenvolumina.
  • Funkplanung (Gebäudegeometrie, Keller, Tiefgarage) bleibt entscheidend – auch robustere Burst-Modi heben keine Betonwände auf.

Was jetzt zu tun ist – Checkliste

  • Bestand clustern: Wo dominiert Hausfunk (wM-Bus), wo Quartiersfunk (LoRa)?
  • Primärfunk definieren: Für Submetering wM-Bus/OMS, für Sensorik/Steuerung LoRaWAN.
  • OMS-5-Readiness prüfen: Gateways und Plattformen auf künftige Burst-Unterstützung ansprechen.
  • API-Pflichten festschreiben: Wie kommen Messwerte, Alarme und Steuerbefehle ins eigene System?
  • Pilotliegenschaft wählen: Ein Haus mit Funkproblemen + ein Quartier mit LoRa-Potenzial.
  • Betrieb planen: Monitoring, Alarmierung, Batterie-Management und SLA-Kennzahlen definieren.

Praxisnutzen / Beispiele

Laut Präsentation können wM-Bus-Gateways bis zu 2.000 Endgeräte pro Hörfenster verarbeiten – ein klarer Vorteil in dicht bestückten Mehrfamilienhäusern.

LoRaWAN-Gateways wiederum decken 2–10 km im Freifeld ab und eignen sich damit für ganze Quartiere oder Stadtteile; eine LoRa-Infrastruktur kann neben Submetering auch CO₂-Sensoren, Türkontakte, Belüftungssteuerung oder Alarme anbinden.

OMS 5 Burst verspricht, Funklöcher in Kellern zu reduzieren und Repeater-Bedarf zu senken – die tatsächlichen Effekte müssen aber erst in Pilotprojekten unter Realbedingungen gemessen werden.


Fazit

Webdyns Beitrag sortiert die Funklandschaft neu: wM-Bus/OMS bleibt der Arbeitspferd-Standard im Submetering, LoRaWAN bringt Reichweite und IoT-Breite – und OMS 5 Burst könnte wM-Bus in Richtung Reichweite und Bidirektionalität aufrüsten.

Für die Wohnungswirtschaft heißt das: Jetzt Funkstrategie und Gateway-Architektur festzurren, die beide Welten unterstützt – und gleichzeitig offen genug ist, um OMS 5 Burst ab Mitte des Jahrzehnts aufnehmen zu können. Der nächste Schritt ist ein sauber aufgesetzter Pilot mit gemischten Funktechnologien und klaren KPIs.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Drei Funkwelten prägen die Datenerfassung: wM-Bus/OMS, LoRaWAN und künftig OMS 5 Burst.
  • LoRaWAN eignet sich für große Areale und smarte Gebäudeautomation.
  • Wireless M-Bus bleibt Standard im Submetering – besonders im Hausfunk.
  • OMS 5 Burst soll wM-Bus robuster, reichweitenstärker und bidirektional machen.
  • Webdyn liefert Gateways für alle drei Welten inkl. Edge-Funktionen.
  • Entscheidungen heute sollten OMS-5-Readiness und LoRaWAN-Optionen mitdenken.

Glossar / Begriffserklärungen

  • Wireless M-Bus (wM-Bus)
    Funkstandard für Zähler (Heizung, Wasser etc.), typischerweise für Hausfunk mit 15–50 m Reichweite.
  • OMS / OMS 5 Burst Mode
    Offenes Protokollprofil für wM-Bus-Geräte; OMS 5 Burst erweitert wM-Bus um robustere, teils bidirektionale Übertragung und größere Reichweiten im Gebäude.
  • LoRaWAN
    Low-Power-Wide-Area-Netz (LPWAN) mit Kilometern Reichweite; ideal für Quartiere und IoT-Sensorik, mit kleinen Telegrammen und batteriebetriebenen Endgeräten.
  • Gateway
    Gerät, das Funksignale von Zählern/Sensoren empfängt, Daten bündelt und an Backend-Systeme (Cloud, BMS, Abrechnung) weiterleitet.
  • Edge-Computer
    Intelligentes Gateway, das Daten nicht nur durchreicht, sondern lokal vorverarbeitet und Steuerungslogik (z. B. für Wärmepumpen) ausführt.
  • Duty-Cycle
    Regulatorische Begrenzung, wie lange ein Funkgerät pro Zeiteinheit senden darf – wichtig bei LoRaWAN für Netzplanung und Laststeuerung.
  • Submetering
    Wohnungsbezogene Verbrauchserfassung und -abrechnung (Heizung, Warmwasser etc.) über Unterzähler in Mehrfamilienhäusern.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Digitale Messdaten im Griff: Wie Sonexa Messdiensten hilft, Prozesse zu automatisieren

Digitale Messdaten im Griff: Sonexa automatisiert Messprozesse
Das Multifunktionstool Sonexa stellte Ingo Stracke von Sontex SA vor. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Im Panel zur „intelligenten Datenerfassung“ stellt Ingo Stracke von Sontex SA die Plattform Sonexa vor und beschreibt sie mit einem Bild, das gut hängen bleibt: ein „Schweizer Taschenmesser“ für Messdaten.

Anders als klassische Portale will Sonexa weniger „schöne Oberfläche“, sondern vor allem Infrastruktur für digitale Prozesse liefern: Daten reinholen, verteilen, entschlüsseln, parametrieren – und das skalierbar, wenn aus ein paar Tausend Messpunkten irgendwann mehrere Hunderttausend oder mehr werden.


Herausforderungen aus Sicht von Messdiensten und Wohnungswirtschaft

  1. Doppelte Datenerfassung und Fehlerquellen
    • Liegenschafts- und Gerätedaten werden in verschiedenen Systemen geführt und teils manuell in Portale übertragen.
    • Jede „Zettelwirtschaft“ erhöht das Risiko von Tippfehlern, Inkonsistenzen und Nacharbeiten.
  2. Verteiltes Schlüsselmanagement
    • Geräteindividuelle Verschlüsselung ist Stand der Technik – aber die Verwaltung von Schlüsseln über verschiedene Hersteller-Tools hinweg ist aufwendig und fehleranfällig.
  3. Schwergewichtige Datenschnittstellen
    • Viele Systeme erlauben nur den Export kompletter Datenpakete. Für den gezielten Abruf einzelner Werte (z. B. zur Klärung einer Reklamation) müssen dann große Dateien bewegt werden.
  4. Parametrierung quer durch die Systemlandschaft
    • LoRaWAN- oder wM-Bus-Geräte werden über unterschiedliche Tools konfiguriert; Stichtage, Sendezyklen oder Alarmparameter sind verstreut.
  5. Skalierungsprobleme bei IoT-Anwendungen
    • Mit wachsender Zahl an Geräten stoßen klassische Backend-Systeme an Grenzen: Peaks bei der Datenanlieferung, ungleichmäßige Last, langsame Reaktionszeiten.

Was Sonexa konkret anbietet

Die Präsentation zeigt Sonexa als Multifunktionsplattform mit mehreren klar benannten APIs und einer Message Queue.

1. Project API – Stammdaten synchron statt doppelt

  • Über die Project API können Messdienst- oder ERP-Systeme ihre Liegenschafts- und Gerätedaten direkt mit Sonexa synchronisieren.
  • Ziel: Keine doppelte Pflege, keine manuellen Exporte/Importe mehr, sondern ein durchgängiger Datenbestand von der eigenen Branchensoftware bis in die Metering-Plattform.

Für die Praxis heißt das: Neue Liegenschaften, Zählerwechsel oder Anpassungen werden einmal im führenden System erfasst und automatisch in Sonexa gespiegelt.

2. KeyXchange API – Schlüsselmanagement als Service

  • Die KeyXchange API bildet ein komplettes Schlüsselmanagementsystem ab – inklusive geräteindividueller Verschlüsselung.
  • Entschlüsselung von Sontex-Geräten (und perspektivisch weiterer Hersteller) kann zentral in Sonexa erfolgen; die Schlüssel werden über die API verwaltet.

Damit wird das bisher oft verteilte Schlüsselhandling in ein standardisiertes Backend überführt – wichtig für Sicherheit, Auditierbarkeit und Prozesssicherheit.

3. Measurement API – gezielte Messwertabfrage

  • Mit der Measurement API lassen sich gezielt einzelne Messwerte oder Messreihen aus Sonexa abrufen, ohne gleich ganze Datenpakete zu ziehen.
  • Typische Anwendungsfälle: nachträgliche Prüfabfragen bei Reklamationen, Sonderauswertungen, Backups bestimmter Messzeiträume.

Das entlastet Leitungen und Systeme, wenn es nicht um Massenverarbeitung, sondern um Fallklärung im Einzelfall geht.

4. Parameterization API – Remote-Parametrierung

  • Die Parameterization API erlaubt es, Geräte aus der Ferne zu parametrieren, etwa LoRaWAN-Zähler.
  • Beispiele: Anpassung der Sendeintervalle, Änderung von Stichtagen, Konfiguration von Alarm-Schwellen.

Statt „Laptop im Keller“ wird Parametrierung damit zur Backend-Funktion, die aus der eigenen Software heraus angestoßen werden kann.

5. Message Queue – vorbereitet auf viele IoT-Geräte

  • Sonexa verfügt über eine integrierte Message Queue, die eingehende Datenströme aufnimmt und verteilt.
  • Vorteil: Lastspitzen – etwa wenn Tausende Geräte gleichzeitig senden – werden abgefedert; Backend- und Abrechnungssysteme können Werte in eigenem Tempo verarbeiten.

Gerade mit Blick auf digitale Gebäude, vernetzte Heizungskeller und zusätzliche IoT-Sensorik ist das ein wichtiger Baustein, um Performance und Skalierbarkeit zu sichern.

6. Weboberfläche als „Toolbox-Deckel“

  • Neben den Schnittstellen bietet Sonexa eine Web-Oberfläche, über die Messdienste Projekte, Geräte und Daten direkt verwalten können.
  • Der Fokus des Vortrags liegt aber klar auf der API-Nutzung – als Basis für durchgängige, automatisierte Abläufe.

Warum das wichtig ist

Für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ist Sonexa auf den ersten Blick „nur“ die Plattform im Hintergrund des Messdienstes. In der Tiefe entscheidet eine solche Lösung aber mit über:

  • Datenqualität (weniger doppelte Eingaben, weniger Tippfehler),
  • Reaktionsfähigkeit (schnelle Einzelwertabfragen statt Datenpaket-Schlachten),
  • Sicherheit (standardisiertes Schlüsselmanagement),
  • Skalierbarkeit (Message Queue für wachsende IoT-Flotten) und
  • Integrationsfähigkeit (APIs statt proprietärer Inselportale).

Kurz: Ob Digitalisierung im Messwesen wirklich Prozesskosten senkt und neue Services ermöglicht, hängt maßgeblich an solchen Plattformen.


Einordnung für Messdienste und Wohnungswirtschaft

Für Messdienste bedeutet Sonexa vor allem:

  • eine Backend-Komponente, die viele technische Hausaufgaben abnimmt,
  • die Möglichkeit, eigene Abrechnungs- oder ERP-Systeme weiter zu nutzen,
  • und ein klarer Weg, eigene Plattformen via API anzudocken, statt sich an ein monolithisches Komplettsystem fesseln zu lassen.

Für Wohnungsunternehmen ist wichtig zu fragen:

  • Nutzt unser Messdienst bereits eine Plattform mit vergleichbaren Funktionen?
  • Wie werden Stammdaten, Schlüssel, Messwerte und Parametrierung heute organisiert?
  • Gibt es standardisierte Schnittstellen zu unseren eigenen Systemen (z. B. für ESG-Reporting oder Portale)?

Was jetzt zu tun ist

  1. Prozesslandkarte erstellen
    • Wie laufen heute: Liegenschaftserfassung, Geräteeinbau, Schlüsselverwaltung, Messwertverarbeitung, Parametrierung?
    • Wo wird noch manuell übertragen, wo entstehen Medienbrüche?
  2. Messdienst gezielt nach Plattform & APIs fragen
    • Gibt es eine zentrale Plattform wie Sonexa?
    • Welche APIs sind verfügbar – für Stammdaten, Schlüssel, Messwerte, Parametrierung?
  3. Integrationspotenziale identifizieren
    • Welche eigenen Systeme (ERP, Portale, Reporting) sollen direkt mit der Metering-Plattform sprechen?
    • Welche Daten werden heute „per Datei“ getauscht, die künftig über APIs laufen könnten?
  4. Pilotintegration aufsetzen
    • Z. B. eine Liegenschaft komplett über Project API angebunden, Schlüssel via KeyXchange verwaltet, Reklamationsfälle mit Measurement API gelöst.
    • Kennzahlen definieren: Aufwand, Fehlerquote, Bearbeitungsdauer.
  5. Skalierungsstrategie definieren
    • Welche IoT-Use-Cases (digitale Heizungskeller, Raumklima, Leckage, Mieterstrom) sind absehbar – und ist die eingesetzte Plattform dafür gerüstet (Message Queue, Parametrisierungs-API)?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sonexa ist eine skalierbare Metering-Plattform des Schweizer Herstellers Sontex, ausgelegt als „Middleware“ zwischen Zählern/Gateways und den Systemen der Messdienste.
  • Kernidee: Alles per API – Liegenschaftsdaten, Gerätestammdaten, Schlüssel, Messwerte und Parametrierung werden über definierte Schnittstellen eingebunden.
  • Die Plattform bietet u. a.:
    • Project API zur Synchronisation von Liegenschafts- und Gerätedaten,
    • KeyXchange API für automatisiertes Schlüsselmanagement,
    • Measurement API für gezielten Abruf einzelner Messwerte,
    • Parameterization API z. B. für Remote-Parametrierung von LoRaWAN-Geräten,
    • sowie eine Message Queue, um große Datenmengen aus IoT- und Gebäudeanwendungen performant zu verarbeiten.
  • Sonexa kann über ein Web-Interface bedient werden, ist aber vor allem als Backend-Plattform gedacht, die sich nahtlos in bestehende Systeme der Messdienste integriert.

Kurz-Glossar

  • Metering-Plattform
    Backend-System, das Messdaten sammelt, entschlüsselt, speichert und an andere Anwendungen verteilt (Abrechnung, Portale, Analytik).
  • API (Application Programming Interface)
    Standardisierte Schnittstelle, über die Software-Systeme automatisiert Daten austauschen oder Funktionen anstoßen können.
  • Key Management / KeyXchange API
    Verwaltung von kryptografischen Schlüsseln zur Ver- und Entschlüsselung von Gerätedaten – zentral, sicher und automatisierbar.
  • Message Queue
    „Warteschlange“ für Nachrichten/Datenpakete; entkoppelt Sender (Zähler, Sensoren) und Empfänger (Backendsysteme) und sorgt dafür, dass auch bei Lastspitzen nichts verloren geht.
  • Remote-Parametrierung
    Fernkonfiguration von Geräten (z. B. LoRaWAN-Zähler) über das Netz – ohne Vor-Ort-Einsatz eines Technikers.

Damit ist Sonexa im Panel klar als „Infrastruktur-Baustein“ positioniert: eine Plattform, die aus vielen einzelnen Messstellen und IoT-Geräten einen handhabbaren, integrierbaren Datenstrom macht. Für Messdienste ein Werkzeug, um Prozesse zu digitalisieren – und für die Wohnungswirtschaft ein wichtiger Faktor, damit Digitalisierung im Hintergrund zuverlässig funktioniert.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Digitale Verbrauchserfassung und Innenraumdaten: Was Elvaco Messdiensten für die nächsten Jahre mitgibt

Konrad Bruckner (Elvaco) auf der Heikom 2025, Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Im Panel zur „intelligenten Datenerfassung“ beschreibt Konrad Bruckner (Elvaco AB), wie unterschiedlich Messdienste aktuell aufgestellt sind: vom klassischen Vor-Ort-Ableser mit Papierformularen bis zum vollständig digitalisierten Dienstleister mit API-gestützten Prozessen. Gleichzeitig rücken neue europäische Vorgaben näher, die neben Verbrauchsdaten auch Innenraumqualität ins Zentrum rücken.

Elvaco zeigt in diesem Kontext ein technisches Angebot, das Verbrauchsmessung, Konnektivität und Sensorik zusammenführen soll, mit dem Ziel, Messdiensten den Übergang zu standardisierter Fernauslesung und zusätzlichen Datenservices zu erleichtern.


Die Herausforderungen

  1. Heterogene Digitalisierungsstände
    • Ein Teil der Messdienste arbeitet noch weitgehend manuell, andere nur teilweise digital, wenige durchgängig automatisiert.
  2. Ressourcenknappheit bei Montage und Betrieb
    • Fachkräftemangel erschwert aufwendige Installationen und wiederkehrende Vor-Ort-Ablesungen.
  3. Technologiewandel und Funkvielfalt
    • M-Bus, wM-Bus, LoRaWAN, NB-IoT, LTE-M: Die Auswahl ist groß, klare Migrationspfade fehlen oft.
  4. Regulatorischer Druck
    • EED und FFVAV schaffen Vorgaben zur Fernablesung und Information, die EPBD mit Zero-Emission-Buildings (ZEB) erweitert um Anforderungen an Raumklima-Sensorik.
  5. Integrationsaufwand
    • Verbrauchsdaten und künftig Innenraumdaten müssen in Abrechnungs- und ERP-Systeme integriert werden, ohne zusätzliche Medienbrüche zu erzeugen.

Der Ansatz / Die angebotene Lösung

Elvaco ordnet sein Angebot klar als Infrastruktur-Baustein für Messdienste ein: Hardware, Konnektivität und Meter-Data-Management sollen so zusammenspielen, dass Verbrauchs- und Sensordaten mit möglichst wenig Aufwand erfasst und weitergegeben werden können.

1. Drei Messdienst-Typen als Ausgangspunkt

Bruckner unterscheidet drei Profile:

  • Klassischer Messdienst
    • Papier, Excel, Vor-Ort-Ablesung, überwiegend manuelle Prozesse.
  • Modernisierter Messdienst
    • Teilweise digitale Zähler, aber manuelle Datenerfassung und fragmentierte IT-Systeme.
  • Digitalisierter Messdienst
    • Vollständige Fernauslesung, automatisierte Verarbeitung, Schnittstellen in Drittsysteme.

Die Elvaco-Lösungen sollen vor allem den Übergang von den ersten beiden Gruppen in Richtung „digitalisiert“ erleichtern.

2. Hardware und Konnektivität: batteriebetriebene Gateways mit integrierter SIM

Laut Präsentation setzt Elvaco auf batteriebetriebene Geräte mit einer geplanten Laufzeit von bis zu zehn Jahren, die Verbrauchsdaten (z. B. aus M-Bus/wM-Bus-Zählern) einsammeln und über Mobilfunk in eine zentrale Plattform übertragen.

Wesentliche Aspekte:

  • Integrierte SIM-Karte (u. a. Deutsche Telekom):
    • Primärtechnologien LTE-M / NB-IoT, mit Fallback-Optionen.
    • Ziel: auch in schwierigen Umgebungen wie Heizungskellern oder Untergeschossen Daten nach außen zu bekommen.
  • Einsatzumfelder
    • Neubauten, Nachrüstung im Bestand, Digitalisierung manueller Liegenschaften.

Ergebnis: Zählerdaten sollen ohne zusätzliche SIM-Verträge oder komplexe Vor-Ort-Konfiguration in die Cloud gelangen.

3. Plattform „elvaco evo“ als Meter-Data-Management

Die Plattform elvaco evo übernimmt laut Anbieter folgende Aufgaben:

  • Tageswerte-Speicherung
    • Speicherung tagesgenauer Verbrauchsdaten pro Liegenschaft für zehn Jahre (laut Präsentation).
  • Device Management
    • Verwaltung und Überwachung der eingebundenen Hardware, inkl. Statusinformationen.
  • Schnittstellen
    • Übergabe der Daten in Abrechnungssysteme oder eigene Plattformen des Messdienstes über standardisierte Verfahren (z. B. Webhooks, APIs, SFTP).
    • Ziel ist, kein eigenes Portal „erzwingen“ zu müssen, sondern sich in vorhandene Systemlandschaften einzufügen.

Parallel ist eine Zertifizierung nach ISO 27001 „im Prozess“, um Informationssicherheit und Betrieb der Plattform auditierbar zu machen.

4. EPBD/ZEB: Innenraumqualität als zusätzlicher Use Case

Eine zentrale Folie bezieht sich auf die European Building Directive (EPBD):

  • Ab 2028: Neubauten öffentlicher Gebäude (z. B. Schulen, Rathäuser, Kliniken) müssen als Zero-Emission Buildings (ZEB) errichtet werden.
  • Ab 2030: ZEB-Pflicht für alle Neubauten.
  • Bestandteil: Mess- und Regelgeräte zur Überwachung der Innenraumqualität (IEQ), etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂.

Elvaco interpretiert das als zusätzliche Chance für Messdienste:

  • Sensorik kann „als Teil des Submeterings“ mit angeboten werden.
  • Bestehende Ablese-Services lassen sich um Innenraumdaten erweitern – etwa für Behaglichkeitsnachweise oder zur Unterstützung von Energiemanagement.

Ergebnis: Verbrauchs- und Raumklimadaten könnten über dieselbe technische Infrastruktur erfasst und in Richtung Wohnungsunternehmen oder Betreiber weitergereicht werden.


Warum das wichtig ist

Die Branche steht zwischen mehreren Linien: Fernablesungs-Pflicht (EED/FFVAV), Dekarbonisierungsvorgaben und nun auch ZEB-Anforderungen an die Innenraumqualität. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, und viele Prozesse sind noch nicht durchgängig digitalisiert.

Lösungen, die Montage und Konnektivität vereinfachen, Daten langfristig verfügbar machen und sich über Standard-Schnittstellen in vorhandene Systeme integrieren, reduzieren den Umstellungsaufwand. Dass EPBD künftig zusätzliche Sensorik verlangt, spricht dafür, Messkonzepte nicht nur auf „Ablesen“, sondern auf einen breiteren Datenhaushalt im Gebäude auszurichten.


Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Für Wohnungsunternehmen ist Elvaco kein direkter ERP- oder Abrechnungspartner, sondern typischerweise Infrastruktur im Hintergrund des Messdienstes. Trotzdem beeinflusst die gewählte Technik mehrere Punkte:

  • Digitalisierungsgrad der Liegenschaften
    • Wie schnell und mit welchem Aufwand können manuelle Liegenschaften auf Fernauslesung umgestellt werden?
  • ZEB- und ESG-Fähigkeit
    • Lassen sich zusätzlich zu Verbrauchsdaten auch Raumklimadaten erheben, wenn ZEB/IEQ-Nachweise gefordert sind?
  • Datenzugriff
    • Können Eigentümer:innen und Verwalter die Daten (tagesgenau, 10 Jahre) in eigenen Systemen weiterverarbeiten, z. B. für Energieberichte oder Portale?
  • Abhängigkeiten und Grenzen
    • Mobilfunkabdeckung im Bestand, Lebensdauer der Batterien, Integration mit bestehenden Zählern (M-Bus/wM-Bus) bleiben praktische Themen, die vor Projektstart geklärt werden müssen.

Was jetzt zu tun ist

  1. Digitalisierungsstand erfassen
    • Welche Liegenschaften werden noch manuell abgelesen, wo gibt es bereits Gateways?
  2. Regulatorischen Horizont einzeichnen
    • EED/FFVAV-Pflichten und EPBD-ZEB-Anforderungen gemeinsam in die Planung aufnehmen.
  3. Messdienst nach Infrastruktur fragen
    • Welche Gateways/Plattformen kommen zum Einsatz?
    • Wie werden tagesgenaue Daten gespeichert und bereitgestellt?
  4. Schnittstellenanforderungen definieren
    • In welchen Formaten sollen Verbrauchs- und ggf. Innenraumdaten in die eigenen Systeme fließen?
  5. Pilotliegenschaften auswählen
    • Eine manuelle und eine bereits teil-digitalisierte Liegenschaft für einen gemeinsamen Test mit Plug-and-Play-Hardware.
  6. ZEB/IEQ-Perspektive mitplanen
    • Bei Neubauprojekten prüfen, ob der Messdienst zusätzlich Raumklimadaten mitliefern kann.

Praxisnutzen / Beispiele

Konkrete Projektzahlen werden im Vortrag nicht vertieft. Aus der Struktur des Angebots lassen sich aber typische Effekte ableiten:

  • Messdienste müssen keine eigenen Mobilfunkverträge organisieren; die Konnektivität ist Teil des Gerätepakets.
  • Tageswerte stehen laut Anbieter über zehn Jahre zur Verfügung – eine Basis für Analysen, Vergleiche und Reporting.
  • Durch die Bündelung von Verbrauchs- und Innenraumdaten über eine Plattform lassen sich zusätzliche Services aufsetzen, ohne parallel neue Datenwege aufzubauen.

Wie stark diese Effekte im Einzelfall sind, hängt von Bestand, Funklage und der Einbindung in bestehende Systeme ab – das wird sich vor allem in Pilotprojekten zeigen.


Fazit

Der Beitrag von Elvaco zeigt, dass Digitalisierung der Verbrauchserfassung und die kommenden Anforderungen an Innenraumqualität zusammen gedacht werden sollten. Das Angebot zielt darauf, Messdiensten eine Kombination aus Plug-and-Play-Hardware, zentralem Datenmanagement und offenen Schnittstellen bereitzustellen.

Für die Wohnungswirtschaft bleibt die Kernfrage: Welche Messdienst- und Technologiepartner helfen am besten dabei, Bestände fristgerecht zu digitalisieren – und gleichzeitig ZEB- und ESG-Anforderungen mit abzudecken? Ein sinnvoller nächster Schritt ist, diese Fragen in einem gemeinsamen Pilot mit klar definierten Schnittstellen und Zielgrößen praktisch zu testen.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Viele Messdienste arbeiten noch mit Papier, Vor-Ort-Ablesung und getrennten Systemen.
  • Elvaco bündelt Zähler- und Sensordaten über batteriebetriebene Gateways und eine Cloud-Plattform.
  • Tageswerte werden laut Anbieter zehn Jahre gespeichert und per Standardschnittstellen exportiert.
  • EPBD-Zero-Emission-Buildings verlangen zusätzliche Innenraumsensorik für Temperatur, Feuchte und CO₂.
  • Messdienste können Submetering-Routen nutzen, um Innenraumdaten als Zusatzservice bereitzustellen.
  • Wohnungsunternehmen sollten Messkonzepte frühzeitig auf ZEB- und Datenanforderungen ausrichten.

Glossar / Begriffserklärungen

EPBD / Zero-Emission Building (ZEB)
EU-Gebäuderichtlinie. ZEB bezeichnet Neubauten mit sehr geringem Energiebedarf und hohen Anforderungen an Betrieb, u. a. inkl. Messung der Innenraumqualität.

EED / FFVAV
Energieeffizienzrichtlinie (EED) und Verordnung über Fernablesbarkeit von Wärme- und Warmwasserzählern (FFVAV); Basis der Fernablesungs- und Informationspflichten.

Submetering
Wohnungsweise Messung und Abrechnung von Heiz-, Warmwasser- und ggf. weiteren Verbräuchen über Unterzähler in Mehrfamilienhäusern.

Meter-Data-Management (MDM)
Plattform, die Messdaten aus verschiedenen Quellen sammelt, speichert, verarbeitet und an andere Systeme (Abrechnung, ERP, Portale) weitergibt.

Device Management
Verwaltung und Überwachung von Feldgeräten: Status, Konnektivität, ggf. Updates und Alarme.

Innenraumqualität (IEQ)
Kennzeichnung der Qualität der Raumluft und des Raumklimas, typischerweise über Temperatur, Luftfeuchte und CO₂-Konzentration.

Plug-and-Play-Gateway
Vorkonfiguriertes Gerät, das nach Anschluss bzw. Einbau ohne umfangreiche Vor-Ort-Konfiguration Daten einsammelt und weiterleitet.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Fotos: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Fernablesung unter Zeitdruck: Wie sich Gateway-Rollouts beschleunigen lassen

Fernablesung unter Zeitdruck: Gateway-Rollouts beschleunigen
Komm mit und die Datenfernauslesung wird zum Kinderspiel. So warb Björn Pressler von Qundis auf der Heikom 2025. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Auf der HEIKOM 2025 drehte sich vieles um die Frage, wie die Wohnungswirtschaft die letzten Meter zur flächendeckenden Fernauslesung bewältigen kann. Die technischen Optionen – Funkprotokolle, Gateways, Batterielaufzeiten – sind inzwischen breit verfügbar.

In seinem Vortrag rückte Björn Pressler, Bereichsleiter Vertrieb D-A-CH von QUNDIS deshalb einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: der Installationsprozess vor Ort. Denn wenn in 14 Monaten tausende Liegenschaften nachgerüstet werden müssen, entscheidet jede eingesparte Minute pro Objekt darüber, ob Fristen gehalten werden können oder nicht.


Herausforderungen: Was heute bremst

  • Hoher Umrüstbedarf im Bestand
    Studien, auf die sich QUNDIS bezieht, sehen derzeit rund 60 % der Bestände der Wohnungswirtschaft mit fernauslesbarer Technik ausgestattet – umgekehrt sind etwa 40 % noch umzurüsten.
  • Enge regulatorische Zeitfenster
    Die verbleibenden Monate bis Ende 2026 müssen genutzt werden, um Gateways, Zähler und Sensorik in großer Zahl zu installieren und in Betrieb zu nehmen – inklusive stabiler Datenlieferung und UVI.
  • Hoher Vor-Ort-Aufwand je Liegenschaft
    Klassische Inbetriebnahmeprozesse umfassen neben der Montage zusätzliche Schritte: Standortsuche, Pegelmessungen, Testauslesung, Kontrolle im Backend. Jede Unsicherheit führt zu Zweitanfahrten.
  • Heterogene Gerätelandschaften
    In vielen Beständen treffen Geräte verschiedener Hersteller und Generationen aufeinander. Ohne herstellerunabhängige Lösungen und aussagekräftiges Live-Feedback steigt der Aufwand für die Techniker.
  • Fachkräftemangel bei Messdiensten
    Die Zahl der verfügbaren Monteure wächst nicht im gleichen Tempo wie der Umrüstbedarf. Jeder gewonnene Manntag wirkt daher unmittelbar auf die Projektlaufzeiten.

Der Ansatz: Gateway plus Installations-App mit Live-Monitoring

QUNDIS knüpft zunächst an die technischen Grundanforderungen an, auf die sich die Branche weitgehend verständigt hat:

  • batteriebetriebene Gateways mit einer Batterielebensdauer von bis zu 12 Jahren,
  • zukunftsfähige Mobilfunkkommunikation,
  • zuverlässiger Datenempfang mit guter Funkabdeckung im Gebäude,
  • hohe Datensicherheit,
  • herstellerunabhängige Erfassung unterschiedlicher Messgeräte,
  • Lieferung der Daten in Formaten, die sich in bestehende Abrechnungssysteme integrieren lassen.

Der eigentliche Schwerpunkt des Vortrags lag jedoch auf der Frage, wie sich der Prozess vom ersten Betreten der Liegenschaft bis zur verlässlichen Datenlieferung optimieren lässt.

Klassischer Ablauf: 40 Minuten bis zur ersten Datenlieferung

In der präsentierten Prozessgrafik zeigt QUNDIS den Ablauf einer Gateway-Installation ohne App-Unterstützung:

  • Erstellung einer Geräteliste im Büro,
  • Einspielung der Liste ins Gateway,
  • Vor-Ort-Suche nach einem geeigneten Standort,
  • Zählerscan am Gateway,
  • Installation und Verplombung,
  • anschließende Kontrolle der Gerätepegel im Backend-System.

In Summe veranschlagt das Unternehmen dafür rund 40 Minuten pro Liegenschaft, gerechnet bis zur ersten plausiblen Datenlieferung.

Optimierter Ablauf: Live-Feedback am Gateway

Mit der vorgestellten Installations-App („Q app“) verlagert QUNDIS einen Teil dieser Schritte in ein geführtes, mobiles Verfahren:

  • Die Geräteliste wird in die App eingespielt – aus der Cloud oder direkt vom Endgerät.
  • Vor Ort unterstützt die App mit einem „Installationsmonitoring“: Sie zeigt live an, welche Geräte empfangen werden und mit welcher Signalqualität.
  • Die Funkpegel lassen sich an verschiedenen Standorten im Gebäude messen; der optimale Montagepunkt für das Gateway kann empirisch gewählt werden.
  • Eine separate Testauslesung entfällt, da der Techniker bereits während der Installation sieht, ob alle relevanten Geräte mit ausreichender Qualität empfangen werden.

So soll sich die Zeit bis zur ersten stabilen Datenlieferung laut Präsentation auf rund 20 Minuten pro Liegenschaft halbieren lassen.


Warum das wichtig ist

  • Die Wohnungswirtschaft steht unter hohem Zeitdruck, Bestände fristgerecht auf fernauslesbare Technik umzurüsten.
  • Der Flaschenhals sind nicht einzelne Geräte, sondern die Kapazitäten der Monteure vor Ort.
  • Jede Zweitanfahrt – etwa wegen unzureichender Funkabdeckung oder fehlender Daten – verlängert Projekte und verursacht Zusatzkosten.
  • Live-Monitoring bei der Installation schafft Transparenz: Funktioniert der gewählte Standort? Werden alle relevanten Geräte erreicht?
  • Je besser der Prozess standardisiert ist, desto verlässlicher lassen sich UVI-Pflichten und Abrechnungstermine einhalten.

Einordnung für die Wohnungswirtschaft / Entscheider:innen

Auf den ersten Blick adressiert der Ansatz vor allem Messdienstleister und deren Monteure. Für die Wohnungswirtschaft sind die Effekte jedoch direkt spürbar:

  • Planungssicherheit bei der Umrüstung
    Wenn Messdienstleister verbindlichere Aussagen zur benötigten Zeit pro Liegenschaft machen können, werden Umrüstpläne realistischer. Das hilft bei Budgetierung, Kommunikation mit Eigentümern und Mieterinformation.
  • Reduzierte Störungen im Gebäude
    Kürzere Aufenthalte der Techniker und weniger Nachrüst- oder Korrekturtermine bedeuten weniger Belastung für Bewohnerinnen und Bewohner.
  • Stabile Datenversorgung für Abrechnung und ESG
    Verlässliche, regelmäßige Datenlieferung ist Voraussetzung für fristgerechte Heizkostenabrechnungen, unterjährige Verbrauchsinformationen und weitergehende Energie-Reporting-Pflichten.
  • Technik als Enabler, nicht als Selbstzweck
    Die im Vortrag genannten Merkmale – lange Batterielaufzeit, herstellerübergreifende Empfangsfähigkeit, sichere Mobilfunkkommunikation – sind aus Sicht der Wohnungswirtschaft Schutz gegen Fehlinvestitionen in der „letzten Meile“ der Digitalisierung.

Entscheidend ist: Lösungen sollten nicht nur in der Präsentation funktionieren, sondern unter realen Bedingungen in gemischten Beständen – mit Stahlbetondecken, Nischen und Altbau-Grundrissen.


Was jetzt zu tun ist

  1. Bestandsaufnahme machen: Wie hoch ist der Anteil bereits fernauslesbarer Technik in den eigenen Beständen? Welche Fristen gelten für welche Objekte?
  2. Prozessdaten einfordern: Von Messdienstleistern konkrete Angaben zu Installationszeiten, Zweitanfahrtsquoten und Inbetriebnahmeprozessen verlangen.
  3. Anforderungen definieren: In Ausschreibungen festhalten, dass Installationsunterstützung (z. B. App, Live-Pegelanzeige, herstellerübergreifender Empfang) und definierte Datenformate Bestandteil der Leistung sind.
  4. Pilotprojekte aufsetzen: In ausgewählten Liegenschaften prüfen, ob die versprochene Zeit- und Prozessersparnis unter realen Bedingungen erreicht wird.
  5. Schnittstellen klären: Sicherstellen, dass die gelieferten Daten ohne Medienbruch in Hausbewirtschaftungs- und Abrechnungssysteme einfließen.
  6. Ressourcen planen: Umrüstwellen so takten, dass interne Teams (Technik, IT, Kommunikation) nicht überlastet werden.

Praxisnutzen: Beispielrechnung aus 20.000 Wohneinheiten

Um die Dimension zu verdeutlichen, hat QUNDIS im Vortrag eine Beispielrechnung vorgestellt:

  • Ein Messdienst betreut 20.000 Wohneinheiten.
  • 50 % sind bereits mit fernauslesbarer Technik ausgestattet, 10.000 WE müssen noch nachgerüstet werden, verteilt auf rund 1.000 Liegenschaften.
  • Bei 40 Minuten bis zur ersten Datenlieferung pro Liegenschaft ergeben sich rund 83,3 Manntage für Installation und Inbetriebnahme der Gateways.
  • Wird dieser Aufwand durch App-gestütztes Live-Monitoring auf 20 Minuten reduziert, sinkt der Bedarf auf rechnerisch 41,7 Manntage.

Die Zahlen basieren auf einer modellhaften Annahme und ersetzen keine individuelle Projektkalkulation. Sie zeigen jedoch, wie sensibel die Gesamtaufwände auf Prozessoptimierungen reagieren und wie eng Technik und Organisation heute miteinander verknüpft sind.


Fazit

Fernauslesung ist längst kein reines Hardware-Thema mehr. Die im Rahmen der HEIKOM vorgestellte Lösung von QUNDIS macht deutlich: Unter den aktuellen Zeitvorgaben sind Installationszeit und Prozesssicherheit zu entscheidenden Erfolgsfaktoren geworden.

Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Bei der Auswahl von Messdienstleistern und Technikpartnern sollte nicht nur auf Funkstandards und Batterielaufzeiten geachtet werden, sondern ebenso auf die Frage, wie gut Monteure vor Ort unterstützt werden – etwa durch Apps mit Live-Monitoring, herstellerunabhängige Gateways und klare Datenformate.

Wer diese Aspekte frühzeitig in Ausschreibungen und Gespräche integriert, erhöht die Chance, die regulatorischen Ziele fristgerecht zu erreichen – und legt gleichzeitig die Basis für eine belastbare, digitale Dateninfrastruktur in den Beständen.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Regulatorischer Druck: Bis Ende 2026 müssen noch große Teile der Bestände mit fernauslesbarer Messtechnik ausgestattet werden – inklusive unterjähriger Verbrauchsinformation (UVI).
  • Reststrecke im Bestand: Laut Referent und Präsentation sind je nach Studie bereits rund 60 % der Wohnungsbestände fernauslesbar ausgestattet – etwa 40 % stehen noch vor der Umrüstung.
  • Engpass vor Ort: Entscheidend ist nicht nur das richtige Gateway, sondern die Zeit, die der Techniker in der Liegenschaft braucht – inklusive Testauslesung und Fehlersuche.
  • Ansatz von QUNDIS: Batteriebetriebenes Gateway mit zukunftsfähiger Mobilfunkanbindung, ergänzt um eine Installations-App mit Live-Monitoring von Empfangsqualität und Gerätepegeln.
  • Prozess-Effekt: In einer Beispielrechnung reduziert die App die Zeit bis zur ersten Datenlieferung von 40 auf 20 Minuten pro Liegenschaft – eine rechnerische Zeitersparnis von rund 50 %.
  • Nutzen für die Wohnungswirtschaft: Geringere Zweitanfahrten, stabilere Datenlieferung in die Abrechnungssysteme und höhere Wahrscheinlichkeit, die regulatorischen Fristen einzuhalten.
  • To-do für Entscheider:innen: Prozesse mit Messdienstleistern analysieren, Anforderungen an Live-Monitoring und Installationsunterstützung in Ausschreibungen aufnehmen, Pilotprojekte starten.

Glossar / Begriffserklärungen

  • Datenfernauslesung
    Elektronische Übertragung von Verbrauchsdaten (z. B. Heizung, Wasser) aus Gebäuden, ohne dass ein Ableser jede Wohnung betreten muss.
  • Gateway
    Zentrale Kommunikationseinheit im Gebäude, die Funksignale von Zählern und Sensoren empfängt und gebündelt an Backend-Systeme weiterleitet – häufig über Mobilfunk.
  • Repeater
    Funkverstärker, der in Gebäuden eingesetzt wird, um Messgeräte zu erreichen, die weiter entfernt oder „im Funk-Schatten“ liegen. In der Präsentation wurde eine neue Repeater-Generation vorgestellt, die per App mit dem Gateway gekoppelt werden kann.
  • Unterjährige Verbrauchsinformation (UVI)
    Regelmäßige Information der Nutzerinnen und Nutzer über ihren aktuellen Energieverbrauch im laufenden Jahr. Sie ist Bestandteil der europäischen Energieeffizienzvorgaben und nationaler Heizkostenregelungen.
  • Herstellerunabhängigkeit
    Fähigkeit eines Systems, Messgeräte unterschiedlicher Hersteller zu empfangen und auszulesen – wichtig, um bestehende Gerätelandschaften weiter nutzen zu können.
  • Batteriebetriebenes Gateway
    Gateway, das nicht an eine feste Stromversorgung angeschlossen werden muss. Längere Batterielebensdauern (z. B. bis zu 12 Jahre) erleichtern die Installation und reduzieren Wartungsaufwände.
  • Live-Monitoring bei der Installation
    Echtzeit-Anzeige von Empfangspegeln und empfangenen Geräten während der Montage. Dient dazu, den optimalen Standort zu finden und Zweitanfahrten zu vermeiden.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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