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WBM realisiert queeres Wohnprojekt in der Berolinastraße nahe Berlin Alexanderplatz

WBM realisiert queeres Wohnprojekt in der Berolinastraße Berlin
73 bezahlbare Mietwohnungen und soziokulturelles Zentrum in der Berolinastraße kurz vor Fertigstellung. Foto: Galandi Schirmer Architekten & Ingenieure GSAI

Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH steht kurz vor der Fertigstellung eines bundesweit einmaligen Wohnprojekts in der Berolinastraße in unmittelbarer Nähe zum Alexanderplatz. In Kooperation mit der Rad und Tat Berlin gGmbH (RuT) entstehen 73 bezahlbare Mietwohnungen speziell für Lesben und queere Frauen. Ergänzt wird das Vorhaben durch ein inklusives soziokulturelles Zentrum mit Beratungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsräumen sowie einem öffentlich zugänglichen Kiez-Café im Erdgeschoss.

Mit dem Neubau setzt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ihre Strategie fort, auch in zentralen Innenstadtlagen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und ihre Präsenz in Berlin-Mitte gezielt auszubauen.

Vielfältiger Wohnungsmix und soziale Infrastruktur

Das Projekt umfasst einen breiten Wohnungsmix aus Ein- bis Vierzimmerwohnungen. Ergänzend wird eine Pflege-Wohngemeinschaft mit acht Plätzen für ältere oder pflegebedürftige Frauen eingerichtet. Ein Großteil der Wohnungen verfügt über einen Balkon. Viele Einheiten sind barrierefrei, darunter fünf rollstuhlgerechte Wohnungen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der sozialen Durchmischung: 41 der Ein- und Zweizimmerwohnungen sind öffentlich gefördert. Sie werden zu Einstiegsmieten ab 7 Euro pro Quadratmeter (mit WBS 100/140) sowie ab 9,50 Euro pro Quadratmeter (mit WBS 180) angeboten. Die frei finanzierten Wohnungen vermietet die WBM einkommensabhängig zu Nettokaltmieten von 11 Euro beziehungsweise 15,45 Euro pro Quadratmeter.

Modellprojekt für Vielfalt und Inklusion

Steffen Helbig, Geschäftsführer der WBM, betont die gesellschaftliche Dimension des Vorhabens: „Mit dem Start der Vermietung entsteht mitten in Berlin ein Zuhause für lesbische und queere Frauen. Gemeinsam mit Rad und Tat Berlin machen wir aus einer Idee ein bundesweit einmaliges Projekt, das Vielfalt, Inklusion und nachbarschaftliches Miteinander sichtbar macht. Der Weg bis zur Fertigstellung war lang und komplex – unser Dank gilt allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben.“

Auch RuT-Geschäftsführerin Jutta Brambach unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Community: „Wir freuen uns, dass in Kooperation mit der WBM gemeinschaftliches Wohnen und Leben, auf das viele seit Langem hingearbeitet haben, als ein zukunftsweisendes Wohnmodell in greifbare Nähe rückt.“

Mit dem Projekt in der Berolinastraße verbindet sich nicht nur die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in zentraler Lage, sondern auch die Etablierung eines Wohn- und Begegnungsortes, der soziale Teilhabe und nachbarschaftliche Integration fördert. Damit setzt die WBM ein deutliches Signal für Vielfalt und soziale Verantwortung in der innerstädtischen Quartiersentwicklung.

Quelle: WBM / gw

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degewo – Schnell gebaut, nachhaltig gedacht in Berlin Treptow-Köpenick

degewo - Schnell gebaut, nachhaltig gedacht in Berlin
Visualisierung des degewo-Neubauprojekts Am Bahndamm 31 in Berlin Treptow-Köpenick. Bild: Bollinger + Fehlig Architekten GmbH

Mit dem Richtfest für das Neubauprojekt Am Bahndamm 31 zeigt degewo, wie schnell, effizient und klimafreundlich neuer Wohnraum in Berlin entstehen kann: In Berlin-Treptow-Köpenick werden 96 bezahlbare Wohnungen sowie eine Gewerbeeinheit in moderner Holz-Hybrid-Modulbauweise realisiert.

Nachhaltig, effizient und zukunftsweisend

Das Neubauvorhaben steht exemplarisch für die Verbindung von sozialem Wohnungsbau und konsequentem Klimaschutz. Holz als nachwachsender Rohstoff reduziert den CO₂-Fußabdruck erheblich und unterstützt die Klimaschutzstrategie von degewo mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2045.

„Mit der Holz-Hybrid-Modulbauweise zeigen wir, wie sich bezahlbarer Wohnraum, hohe Bauqualität und Klimaschutz erfolgreich miteinander verbinden lassen. Der schnelle Baufortschritt am Bahndamm 31 unterstreicht, welches Potenzial modulares Bauen für die Wohnungsversorgung in Berlin hat“, sagt Pascal Atzert, Vorstandsmitglied von degewo.

Bezahlbarer Wohnraum für Berlin-Köpenick

Mit dem Neubauprojekt erweitert degewo gezielt das Wohnungsangebot im Bezirk Treptow-Köpenick. Die 96 Wohnungen sind auf die Bedürfnisse kleinerer Haushalte ausgerichtet und werden zu bezahlbaren Mieten ab 7 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Der Neubau berücksichtigt bereits die Höhe der künftig entstehenden neuen Wuhlebrücke und ist damit vorausschauend auf die weitere städtebauliche Entwicklung im Umfeld ausgerichtet.

Die Fertigstellung des Neubaus ist für Ende 2026 geplant, anschließend werden die Wohnungen an die neuen Mieterinnen und Mieter übergeben.

Stefan Weidelich

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HWS startet nachhaltigen Neubau in serieller Bauweise in Blankenfelde‑Mahlow

HWS startet nachhaltigen Neubau in serieller Bauweise
Die modulare, digitale Infrastruktur ermöglicht einen wirtschaftlichen, transparenten und langlebigen Betrieb – ideal für moderne Wohnprojekte. Der Verzicht auf Rohrnetze, Pumpen und externe Messdienstleister senkt sowohl die Investitions‑ als auch die laufenden Betriebskosten. Foto: Solid.Modulbau

Die Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS) beginnt im Februar 2026 mit den Bauarbeiten für ein Mehrfamilienhaus Im Buchenring 1 in Blankenfelde-Mahlow. In Zusammenarbeit mit der Solid.Modulbau GmbH entsteht ein Wohngebäude mit neun Wohnungen und rund 679 Quadratmetern Wohnfläche.

„Mit diesem Neubau setzen wir ein deutliches Zeichen für zukunftsfähiges Bauen. Die Kombination aus serieller Bauweise und solar-elektrischer Energieversorgung ermöglicht es uns, hochwertigen und zugleich wirtschaftlichen Wohnraum zu schaffen, der langfristig niedrige Betriebskosten für unsere Mieterinnen und Mieter sicherstellt“, sagt Jörn von der Lieth, Geschäftsführer der HWS.

Kurze Bauzeiten, hohe Präzision

Der Neubau umfasst drei Vollgeschosse, einen Laubengang sowie einen Aufzug. Das Gebäude wird als KfW-Effizienzhaus 40 realisiert. Die Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

„Die Zusammenarbeit mit der HWS zeigt, wie effizient und nachhaltig serielles Bauen heute sein kann. Unsere Bauteile ermöglichen kurze Bauzeiten, hohe Präzision und eine besonders energieeffiziente Gebäudehülle – ideale Voraussetzungen für moderne Wohnprojekte wie dieses“, ergänzt Hermann Stegink, Geschäftsführer der Solid.Modulbau GmbH.

Infrarot-Flächenheizungen, unterstützt durch Photovoltaik und digitale Steuerung

Das Projekt setzt auf ein innovatives solar-elektrisches Energiekonzept. Die Wärmeversorgung erfolgt über Infrarot-Flächenheizungen, unterstützt durch Photovoltaik und digitale Steuerung. Auf klassische wassergeführte Heizsysteme wird verzichtet, was den technischen Aufwand sowie die laufenden Betriebskosten reduziert.

Die Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS) ist ein Unternehmen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und verwaltet rund 10.000 Einheiten aus eigenem und fremdem Bestand. Dazu gehören neben Wohnungen und Erbbaurechten auch Liegenschaften sowie ein eigener Forst.

Unsere langjährigen und bewährten Erfahrungen sowie immobilienwirtschaftlichen Kompetenzen stützen sich auf über 70 Jahre erfolgreiche Immobilienverwaltung. Als evangelisches Unternehmen ist es ihr erklärtes Ziel, Sozialverträglichkeit und wirtschaftliches Handeln im Sinne der Mieter*innen und Kund*innen miteinander zu verbinden. Darüber hinaus engagiert sich die Hilfswerk-Siedlung GmbH für soziale Projekte.

Die Solid.Modulbau GmbH wurde 2016 im westmünsterländischen Ahaus gegründet und hat sich seither als innovativer Generalunternehmer im Geschosswohnungsbau etabliert. Das Unternehmen spezialisiert sich auf solar-elektrische Gebäude, die vollständig ohne wassergeführte Heizungssysteme auskommen und in modularer sowie serieller Bauweise realisiert werden. Mit ihren wegweisenden und mehrfach prämierten Gebäudekonzepten konnte die Solid.Modulbau GmbH bereits zwei Mal Erfolgreich den europaweiten Wettbewerb des GdW – für modulares und serielles Bauen gewinnen.

Fabian Mayer

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Roundtable Wärmewende – 7 Schlüssel für einen praktisch gelingenden Wärmekonsens

Roundtable Wärmewende - 7 Schlüssel für einen Wärmekonsens
Titel-Bild Policypaper 7 Schlüssel für einen praktisch gelingenden Wärmekonsens

Der Roundtable Wärmewende hat im Februar 2026 ein neues Policypaper für eine klimaneutrale, sichere und bezahlbare Wärmeversorgung veröffentlicht. Unter dem Titel „7 Schlüssel für einen praktisch gelingenden Wärmekonsens“ legt die branchenübergreifende Allianz konkrete Vorschläge vor, wie eine bezahlbare Wärmeversorgung, Versorgungssicherheit und Klimaziele zusammengeführt werden können – als Grundlage für einen politischen und gesellschaftlichen Wärmekonsens .

Der Roundtable Wärmewende zeigt zentrale Handlungsbedarfe in den rechtlichen, regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen auf, um Kommunen, Stadtwerke, Wohnungs- und Bauwirtschaft sowie privaten Eigentümer verlässliche Perspektiven zu schaffen, mit denen Investitionen in Gebäude, Netze und Erzeugung ausgelöst werden können.

Die Umsetzung der Vorschläge des Roundtables führen zu einem politischen Wärmekonsens, der Gebäude-, Energie-, Infrastruktur- und Finanzierungspolitik verzahnt, tragfähige Kompromisse zwischen Politik, Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft ermöglicht und über Legislaturperioden hinweg Bestand hat.

Im Zentrum stehen sieben Schlüssel, die gemeinsam keinen Idealpfad, sondern einen realistischen Verständigungsrahmen für die Wärmewende bilden:

  • wirtschaftliche Wärmewende vor Ort,
  • verbesserte rechtliche, regulatorische und förderpolitische Rahmenbedingungen für Wärmenetze,
  • ein technologieoffenes Gebäudemodernisierungsgesetz für Planungssicherheit,
  •  Investitionsbooster statt Papiertiger für die Wärmewende,
  •  eine differenzierte und praxistaugliche Transformation der Gasverteilnetze,
  • leistungsfähige Stromverteilnetze als Rückgrat der Wärmewende sowie
  • erhöhte Resilienz durch erneuerbare, gekoppelte Energiesysteme.

Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen als geförderte Alternative.

Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW: „Für die Wohnungswirtschaft ist klar: Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn der Fokus von starren Einzel-Gebäudestandards auf eine wirksame und bezahlbare CO₂-Vermeidung insgesamt verlagert wird. Viele Gebäude sind bereits saniert, weitere Schritte stoßen jedoch oft an wirtschaftliche Grenzen.

Deshalb brauchen wir einen entschlossenen Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen als geförderte Alternative. Denn weder können für Sanierungen unbegrenzt Mieten erhöht werden, noch ist es realistisch, den Netzausbau allein den Vermietern oder Mietern aufzubürden. In der Übergangsphase bis zur Verfügbarkeit von Wärmenetzen müssen deshalb auch flexible, pragmatische Lösungen möglich sein.“

Wärmewende für alle machbar und bezahlbar machen

„Die Wärmepläne der Kommunen geben Eigentümern, Mietern und Wirtschaft die nötige Orientierung, was mit dem Gasnetz passiert und in welcher Straße künftig zum Beispiel Fernwärme oder eher Wärmepumpen zum Zuge kommen. Wir werden nur dann klimaneutral heizen können, wenn die Wärmewende für alle machbar und bezahlbar ist. Wir brauchen Investitionssicherheit.

Hierzu gehören eine verlässliche Ausgestaltung und Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) sowie eine zeitnahe Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) mit einer Verlängerung bis mindestens 2038. Jeder Fördereuro hilft, die Kosten für den Fernwärmeausbau zu senken und endlich Meter zu machen,“ Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer.

Es derzeit keinen verlässlichen, längerfristigen Planungshorizont

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Um den enormen Bedarf an Bauleistungen ohne Reibungsverluste realisieren zu können, müssen die Bauunternehmen wissen, welche Kapazitäten sie bereitstellen sollen. Dafür braucht es einen verlässlichen, längerfristigen Planungshorizont.

Den gibt es derzeit nicht. Stattdessen lenken die Leitungsbau-Unternehmen ihre Kapazitäten jetzt erst einmal um und realisieren den Stromnetzausbau, der für die Wärmepumpen notwendig ist. Dieser muss zwar auch geleistet werden, kann aber nur eine Teillösung sein. Zudem stellt sich die Frage der Finanzierung: Wer soll für die enormen Investitionen im Leitungsbau aufkommen? Das ist noch ungeklärt, und deshalb passiert erst einmal nichts – ein fataler Stillstand, den wir uns nicht erlauben sollten.“

Der Roundtable Wärmewende versteht den vorgeschlagenen Wärmekonsens als Voraussetzung für Investitionssicherheit, beschleunigte Verfahren und Akzeptanz vor Ort – und damit als Schlüssel, um die Wärmewende von einer konflikthaften politischen Debatte zu einer umsetzbaren, breit getragenen Infrastrukturaufgabe zu machen.

Britta Frischemeyer

Dem Roundtable Wärmewende gehören an: GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Verband kommunaler Unternehmen, BAUINDUSTRIE Bayern, EWS Elektrizitätswerke Schönau, Stadtwerke Heidelberg, Stadtwerke Energie Jena-Pößneck, Stadtwerke Hamm, Bauverein Halle & Leuna, Vinci Construction und jenawohnen.

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Recycling auf KI-Basis – Aus Bauschutt wird neuer Rohstoff

Recycling auf KI-Basis - Aus Bauschutt wird neuer Rohstoff
Erst Abriss, dann Recycling: Jährlich fallen bundesweit rund 86 Millionen Tonnen Bauabfälle an. Für die Wiederverwendung entwickelt Optocycle mit rund 170.000 Euro Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein ausgeklügeltes Verfahren. Foto: Wohnungswirtschaft-heute.de. / Gerd Warda

Jährlich fallen in Deutschland laut Umweltbundesamt rund 86 Millionen Tonnen Schutt und Abfälle auf Baustellen an. Häufig landen diese Materialien auf Deponien. So gehen allerdings wertvolle Ressourcen verloren. Der Ausweg: Ein hochqualitatives Recycling des Schutts vermeidet klimaschädliche Emissionen und hält wertvolle Materialien im Wertstoffkreislauf – und das bei zertifiziert gleichwertiger Qualität.

Um das Recycling von Material im Bausektor zu automatisieren, entwickelt das Startup Optocycle aus Tübingen ein System auf Grundlage künstlicher Intelligenz (KI) zum Echtzeit-Monitoring. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 170.000 Euro.

Echtzeit Qualitätsmonitoring in der Produktion von Recycling-Granulaten

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht in der Baubranche großes Potenzial für mehr Umweltschutz. Hier könnten mittelständische Betriebe mit innovativen Lösungen Vorbildfunktionen erfüllen. Bonde: „Die Errichtung neuer Gebäude folgt bereits klaren Vorgaben für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit. Gleiches muss künftig auch nach dem Abriss von Häusern und Bauwerken beachtet werden.“

Einen Ansatz dafür liefere das Startup Optocycle GmbH aus Tübingen. Im Rahmen der DBU-Green Startup-Förderung haben sie ein KI-basiertes System zur automatischen, reproduzierbaren Klassifizierung von Bauabfällen entwickelt. Darauf aufbauend soll nun ein Prototyp das Echtzeit-Monitoring von RC-Körnungen – also recycelten Gesteinskörnungen aus Bauschutt – ermöglichen.

Die DBU fördert das Vorhaben mit rund 170.000 Euro. Optocycle-Mitgründer Max-Frederick Gerken: „Aktuell basiert in der Branche der Aufbereitungsprozess von Bauschutt meist auf subjektiven Schätzungen.“ Auch das Endprodukt werde nur stichprobenartig im Labor überprüft. Mit dem Optocycle-System ist nach Gerkens Worten ein „Echtzeitmonitoring von Recycling-Gesteinskörnungen möglich. Somit können die Qualität der Körnung verbessert und mehr Material in die Beton-Produktion überführt werden“, so Gerken.

Weniger Abfälle auf der Deponie

Das System kombiniert laut Gerken moderne, optische Sensorik mit künstlicher Intelligenz – und löse so ein altbekanntes Problem in der Baubranche. Der Startup-Mitgründer: „Zurzeit schwankt oft die Beschaffenheit der recycelten Rohstoffe. Das bedeutet einerseits ein wirtschaftliches Risiko für Unternehmen und führt andererseits zum Verlust von wertvollen Materialien.“

Optocycle erwartet mithilfe seiner Entwicklung eine 20 Prozent höhere Menge an recycelten, hochqualitativen Gesteinskörnungen sowie 15 Prozent geringere Abfallreste, die sonst auf Deponien landen würden. Dazu werden nach Gerkens Angaben sowohl der eingehende Schutt „optimal klassifiziert“ als auch das Ergebnis transparent überprüft.

Kooperationspartner ist hierbei die Heinrich Feeß GmbH, die laut Gerken bereits seit vielen Jahren mit Optocycle zusammenarbeitet. Der Mitgründer weiter: „Die Technologie leistet einen Beitrag für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Wir helfen dabei, die Qualität von Sekundärrohstoffen zu verbessern, die aus dem Bauschutt gewonnen werden. Diese Lösung lässt sich zudem perspektivisch auf alle Abfallströme übertragen.“

Einfache Nachrüstung in bestehenden Bauschutt-Recyclinganlagen

Das System von Optocycle kann Gerken zufolge direkt in bereits bestehende Anlagen zur Verarbeitung von Bauabfällen installiert werden– „direkt über dem Fließband.“ Diese einfache Nachrüstung spare Kosten und ermögliche die schnelle Umsetzung eines innovativen Bauschutt-Recyclings. „Denn nur wenn das Recycling finanziell machbar ist, kann die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche Erfolg haben“, so Gerken – ein Ansatz, der auch schon bei der Startup-Förderung durch die DBU im Vordergrund stand.

Hier überzeugte das entwickelte System mit hoher Genauigkeit bei der Klassifikation von unterschiedlichem Bauschutt. Darauf soll laut Gerken nun aufgebaut werden, um mit hochwertigen Sekundärrohstoffen Kreislaufwirtschaft in der Betonherstellung attraktiver zu machen.

Jede gute Lösung sorgt für enorme Entlastung des Klimas

Kreislaufwirtschaft in der Baubranche hat nach den Worten des zuständigen DBU-Referenten Dr. Volker Berding wichtige Effekte für den Klimaschutz: „Die Produktion von immer neuem Beton sorgt für hohen Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen.“ Einer WWF-Studie zufolge entstehen bei der Herstellung von Zement – dem wichtigsten Bestandteil von Beton – acht Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen.

Berding: „Alles, was zur einer Emissionsreduzierung beiträgt, hat also bereits einen großen Effekt für den Klimaschutz.“ Eine Kreislaufwirtschaft funktioniere jedoch nur, „wenn die Sekundärrohstoffe sich qualitativ nicht von einer Neuproduktion unterscheiden. Genau diesen Schritt kann Optocycle mit einem skalierbaren, optimierten Prototypen gehen.“

Quelle: DBU

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Aareal Trendbarometer: Mieter fordern Bürokratieabbau und zielgerichtete Förderung – Eigentum für vier Fünftel unerschwinglich

Aareal Trendbarometer: Mieter fordern Bürokratieabbau und ...

Die Aareal Bank veröffentlicht mit dem Trendbarometer 2025 eine umfassende Analyse* zur Lage am deutschen Mietmarkt. Die Ergebnisse der Befragungen von über 5.000 Mieterinnen und Mietern sowie rund 110 Entscheidern aus der Wohnungswirtschaft zeigen: Der Druck auf den Mietmarkt bleibt hoch – und sowohl Politik als auch Wohnungswirtschaft stehen vor der Herausforderung, bezahlbares Wohnen, Energiewende und Digitalisierung zu meistern.

Mieterperspektive: Hohe Mieten gefährden sozialen Frieden

Wohnen wird immer stärker zu einem gesellschaftlich brisanten Thema: Die überwiegende Mehrheit der Mieter (91%) hält Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener für nicht mehr bezahlbar. 87% der Mieter sehen in den hohen Mietpreisen eine ernsthafte Gefahr für den sozialen Frieden, im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl sogar noch um 3% erhöht.

Nebenkosten werden zur Belastungsprobe – Erwerb von Eigentum keine Option

Die energetische Sanierung bleibt ein sensibles Thema: 70% der Mieter befürchten, dass die energetische Sanierung die Situation auf dem Mietmarkt noch verschärfen wird. Für jeden Zweiten (53%) ist bei der Wohnungssuche ein nachhaltiges Gebäude wichtig, da man explodierende Nebenkosten befürchtet.

Die Antwort auf steigende Nebenkosten: 57% versuchen bereits heute aktiv, Energie und Wasser zu sparen – insbesondere die ältere Generation (72%). Eigentum entwickelt sich zunehmend zum Luxusgut und ist für 82% der Befragten keine Option.

Nur mäßige Zufriedenheit bei Ausstattung, digitalen Services und Sicherheit der Wohnung

Nur gut die Hälfte der Mieter (53%) sind aktuell mit Qualität und Ausstattung ihrer Wohnung zufrieden. Und sogar nur ein Viertel ist mit dem digitalen Service des Vermieters zufrieden. Dabei gelten schnelles Internet (48%) und digitale Kommunikation als zentrale Kriterien bei der Wohnungswahl.

Auch das Thema Sicherheit gewinnt immer stärker an Bedeutung: Nur einer von drei Befragten (31%) fühlt sich zuhause sehr sicher, wobei ein deutliches Stadt-Land-Gefälle erkennbar ist. Insbesondere modernisierte Tür- und Fenstersicherungen (46%) und Videoüberwachung (35%) würden das Sicherheitsgefühl der Mieter erhöhen.

Der Ruf nach gezielter Unterstützung durch die Politik wird immer lauter

82% der Mieter sind der Meinung, Wohnen dürfe nicht rein gewinnorientiert sein. Von der Wohnungswirtschaft wird vor allem mehr sozialer Wohnungsbau (69%) erwartet. Von der Politik erwartet man Bürokratieabbau (72%) und eine bedarfsgerechte Förderung statt Gießkannenprinzip (65%) Drei Viertel (74%) der Mieter erachtet die Mietpreisbremse als sinnvolles Instrument, um soziale Spannungen zu verringern.

Die Botschaft der Mieterinnen und Mieter ist eindeutig: Wohnen soll zuverlässig, bezahlbar und fair sein. Sie erwarten, dass die Branche Verantwortung übernimmt.

Wohnungswirtschaft: Regulatorische Rahmenbedingungen belasten

Die Entscheiderbefragung in der Wohnungswirtschaft zeigt ein ähnliches Bild wie bei den Mietern: 80% der Entscheider halten Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener für kaum noch bezahlbar. 94% erwarten, dass energetische Sanierungen den Markt weiter belasten.

Zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums fordern Entscheider Maßnahmen von der Politik, an erster Stelle die Senkung der Baunebenkosten (98%), Bürokratieabbau (94%) und zielgerichtete Förderung (82%). Beim Thema Mietpreisbremse geht die Meinung auseinander: Drei Viertel der Entscheider sehen in ihr eine Hürde für den Neubau – während Mieter sie klar befürworten.

„Wohnungsneubau braucht Mut zur Gestaltung. Wir müssen bürokratische Hürden abbauen, vorhandene Spielräume nutzen und Investitionen durch klare, pragmatische Regelungen stärken.“

Lars Ernst, Managing Director Banking & Digital Solutions, Aareal Bank AG

Fachkräftemangel als strukturelles Problem – Digitalisierung als Überlebensfrage

Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Problem: 88% rechnen diesbezüglich mit einer weiteren Verschärfung, die sich vor allem negativ auf Neubau, Instandhaltung und technische Gebäudeausstattung auswirken wird. Als Lösung sehen zwei Drittel der Entscheider die Digitalisierung von Routineaufgaben: Größtes Potenzial bieten Buchungs- und Zahlungsverkehr (84%), Mieterservice (81%) und interne Verwaltung (69%).

Fazit: Schnelles Handeln und pragmatische Lösungen gefragt:

Bezahlbarkeit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind entscheidend für die Zukunft des Wohnens. Mieter und Wohnungswirtschaft fordern Mut zu konsequentem Bürokratieabbau, pragmatischen Bauentscheidungen und eine sozialverträgliche Gestaltung der energetischen Sanierung. Um den durch Fachkräftemangel gebremsten Neubau anzukurbeln, braucht es verstärkte Investitionen in Digitalisierung.

„Der Bau-Turbo verspricht Entspannung, aber er allein lässt noch keinen neuen, bezahlbaren Wohnraum entstehen. Bauen muss günstiger und renditestärker werden, um private Investitionen anzuziehen. Dazu gehören vor allem die Vereinfachung von Baustandards und die signifikante Beschleunigung der Baugenehmigung“, resümiert Lars Ernst.

Svenja Keller

Die Ergebnisse der Umfrage zur Zukunft des Wohnens sind im Aareal Trendbarometer zusammengefasst und können hier heruntergeladen werden.


*Informationen zur Methodik

YouGov hat für die Aareal Bank vom 01.-13.10.2025 deutschlandweit 5046 Mieterinnen und Mieter zur Lage am Mietmarkt befragt. Die Umfrage basiert auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panel Deutschland. Die Erhebung wurde nach Geschlecht und Generationenzugehörigkeit gewichtet, die Ergebnisse sind repräsentativ für die MieterInnen in Deutschland ab 18 Jahren. Teilweise wurden die beiden höchsten Antwortkategorien einer Frage für die Darstellung der Ergebnisse zusammengefasst.

Für die Entscheider-Umfrage wurden vom 10.–21.11.2025 110 wohnungswirtschaftliche Kunden der Aareal Bank befragt. Dieser Teil der Umfrage ist ein Stimmungsbild und erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität.

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Wohnen 2026: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Aareal Trendbarometer zeigt reales Bild

Gerd Warda, Foto: krimiwa

Liebe Leserinnen, lieber Leser.

Die Wohnungswirtschaft startet in das Jahr 2026 mit einem paradoxen Befund: Noch nie war der politische Wille, mehr zu bauen, lauter formuliert – und noch nie war die tatsächliche Umsetzung so weit von den Erwartungen der Menschen entfernt.

Das aktuelle Aareal Trendbarometer bringt diese Diskrepanz auf den Punkt und liefert damit mehr als nur Stimmungsbilder. Es ist ein Realitätscheck für Politik, Verwaltung und Branche gleichermaßen.

Bezahlbarkeit ist keine Gefühlskategorie mehr

Wenn neun von zehn Mietern die Mieten in Ballungsräumen als nicht mehr bezahlbar empfinden, dann ist das keine gefühlte Wahrheit, sondern ein strukturelles Warnsignal. Besonders alarmierend: Für 82 Prozent der Mieter bleibt Wohneigentum unerreichbar. Eigentum, lange Zeit als Säule der Altersvorsorge und gesellschaftlichen Stabilität propagiert, wird zum Luxusgut einer Minderheit.

Hinzu kommt die „zweite Miete“. Steigende Energie- und Betriebskosten fressen die Spielräume vieler Haushalte auf. Dass bereits 57 Prozent der Mieter aktiv Energie und Wasser sparen, zeigt zweierlei: das hohe Kostenbewusstsein – und die begrenzte Wirkung individueller Sparanstrengungen, solange die strukturellen Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Bürokratieabbau: Konsens ohne Konsequenzen

Das Aareal Trendbarometer bestätigt, was die Branche seit Jahren sagt: Bürokratie ist einer der größten Kostentreiber im Wohnungsbau. Der vielzitierte „Bau-Turbo“ kann nur dann wirken, wenn er nicht an überzogenen Standards, langwierigen Genehmigungsverfahren und unklaren Förderlogiken verpufft.

Lars Ernst von der Aareal Bank AG bringt es nüchtern auf den Punkt: Bauen muss günstiger und renditestärker werden, wenn private Investitionen mobilisiert werden sollen. Vereinfachte Baustandards und beschleunigte Genehmigungen sind keine ideologischen Forderungen, sondern wirtschaftliche Notwendigkeiten.

Sozial orientiert – aber nicht wirtschaftsblind

Ein oft unterschätzter Punkt: Auch soziale Vermieter und Genossenschaften unterliegen ökonomischen Realitäten. Sven Auen, Vorstandsvorsitzender des Verbundes der Wohnungsbaugenossenschaften Schleswig-Holstein, erinnert daran, dass Nachhaltigkeit immer auch Wirtschaftlichkeit bedeutet. Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

Der Abriss von Gebäuden ist für Genossenschaften kein Instrument der Gewinnmaximierung, sondern die letzte Option. Wo er unvermeidbar ist, erfolgt er sozial abgefedert, langfristig angekündigt und begleitet. Dieses Vorgehen zeigt, was verantwortungsvolles Vermieten bedeutet – aber auch, wie eng die Handlungsspielräume inzwischen geworden sind.

Köln als Brennglas der Entwicklung

Die Zahlen aus Köln bestätigen die bundesweiten Trends. Nettokaltmieten von durchschnittlich 7,89 Euro pro Quadratmeter bei den Unternehmen der köln ag liegen deutlich unter dem freien Markt, wie der Vorsitzende Rouven Meister berichtet. Gleichzeitig steigen die Kosten kontinuierlich. Drei Prozent Mietsteigerung – rund 23 Cent pro Quadratmeter – klingen moderat, reichen aber langfristig nicht aus, um Bestandssanierungen solide zu finanzieren.

Besonders brisant: Die Bruttokaltmiete verschlingt bereits 32,5 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens, bei einkommensschwächeren Haushalten sogar 47 Prozent. Neubau findet kaum noch statt. Netto 1.547 neue Wohnungen im Jahr 2024 markieren einen historischen Tiefstand.

ESG: Pflicht, Chance und neuer Realismus

Ab dem Berichtsjahr 2025 werden ESG-Mindestanforderungen für Wohnungsunternehmen verbindlich. Zwölf klar definierte Kriterien zu Umwelt, Sozialem und Governance müssen künftig systematisch erfasst und geprüft werden. Das ist kein Selbstzweck.

Die ESG-Anforderungen zwingen Unternehmen dazu, ihre Bestände, Investitionspfade und Klimaziele ehrlich zu analysieren. Energieeffizienzklassen, CO₂-Kosten und Dekarbonisierungsstrategien werden zu harten Steuerungsgrößen – auch im Dialog mit Banken und Förderinstituten.

Wie Lara Berz von DOMUS Consult betont, geht es nicht um Hochglanzberichte, sondern um belastbare Entscheidungsgrundlagen. ESG wird damit weniger zum Imageprojekt, sondern zum betriebswirtschaftlichen Instrument.

2026 braucht Pragmatismus statt Symbolpolitik

Das Aareal Trendbarometer zeigt klar: Mieter erwarten Entlastung, Vermieter Planungssicherheit. Beides wird es nur geben, wenn politische Ziele mit wirtschaftlicher Realität versöhnt werden. Weniger Bürokratie, zielgerichtete Förderung, digitalisierte Prozesse und realistische Standards sind keine Zugeständnisse an die Branche, sondern Voraussetzungen für bezahlbares Wohnen.

2026 wird kein Jahr der schnellen Lösungen. Aber es kann ein Jahr der klaren Entscheidungen werden – wenn Mut und Pragmatismus die Symbolpolitik ablösen.

Februar 2026, Wohnungswirtschaft heute., Ausgabe Nummer 211, mit Fakten und Einschätzungen zum zielführenden Handeln.
Klicken Sie mal rein.

Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig.
Ihr Gerd Warda und das Wohnungswirtschaft heute-Team

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Genossenschaften: Abriss ist die allerletzte Variante

Genossenschaften: Abriss ist die allerletzte Variante
„Sanierung, Nachverdichtung oder Ersatzneubau lassen sich nicht nach ‚Schema F‘ bewerten,“ sagt Sven Auen. Foto: WBG-SH e.V.

Wohnungsbaugenossenschaften sind sogenannte Bestandshalter. Sie investieren über viele Jahrzehnte in den Erhalt und die Modernisierung ihrer Wohnungsbestände. Sie garantieren dadurch bezahlbare Mieten. „Allerdings kommen einzelne Gebäude nach mehreren Jahrzehnten an ihre physischen Grenzen und könnten nicht mehr zu einem vertretbaren Aufwand saniert werden“, sagt Sven Auen, Vorstandsvorsitzender des Wohnungsbaugenossenschaften Schleswig-Holstein e.V. (WBG-SH e.V.)*.

„Die schleswig-holsteinischen Wohnungsbaugenossenschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder überalterte Wohngebäude zurückgebaut und anschließend an dem Standort – oftmals mehr als zuvor – bezahlbare Wohnungen errichtet. Zumeist waren diese Projekte städtebaulich, wirtschaftlich und sozial erfolgreich.“

Gleichzeitig erlebten die Genossenschaften in der Praxis, dass die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich seien, sagt Sven Auen. „Sanierung, Nachverdichtung oder Ersatzneubau lassen sich nicht nach ‚Schema F‘ bewerten. Es gibt Projekte, bei denen der Bestandserhalt gut funktioniert. Es gibt aber vereinzelt auch Fälle, in denen technische, wirtschaftliche oder soziale Gründe einen Neubau notwendig machen.“

Augenmaß ist notwendig

Wir sind uns bewusst, dass im Leben eines Wohngebäudes der größte Ausstoß klimaschädlicher Emissionen bei dessen Errichtung erfolgt. Deshalb versuchen wir, Abriss und Ersatzneubau tunlichst zu vermeiden.“ Allerdings müsse das Ganze stets mit Blick aufs Bezahlbare betrachtet werden, sagt Auen.

„Wir haben aktuell in Kiel und Lübeck jeweils einen Fall, bei dem die Sanierung von in die Jahre gekommenen Wohngebäuden derart teuer wird, dass die Kosten für die nicht tragbar sind.“ Eine Quersubventionierung durch andere Genossenschaftsmitglieder stoße jedoch an die Grenze innergenossenschaftlicher Solidarität.

Zudem machten moderne technische Anforderungen eine sinnvolle Sanierung in manchen Fällen unmöglich. So verhindert in Kiel beispielsweise der Zustand des Gebäudes die energetische Sanierung inklusive Dachgeschossausbau. In Lübeck, wo das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt worden sei, müsste die Wärmedämmung innerhalb der Wohnung installiert werden.

Tausende Wohnungen in wenigen Jahren

Vor allem in den 50er und 60er Jahren hätten die Genossenschaften angesichts der verbreiteten Wohnungsnot rasch Tausende bezahlbare Wohnungen errichtet – mehrere Tausend in Kiel, Flensburg und Lübeck, so Sven Auen weiter. „Die allermeisten dieser Wohnungen haben wir in den vergangenen Jahrzehnten mit erheblichem Aufwand instandgehalten und mehrfach modernisiert. Die Genossenschaften haben so den sozialen Frieden im Land gesichert.“

Die Energiewende stellt unsere Genossenschaften vor große Herausforderungen: der Einbau moderner Heizungen, die Dämmung von Außenwänden und die Installation dreifachverglaster Fenster sind notwendig, aber auch aufwändig. In vielen Fällen ist das mach- und bezahlbar. In einigen wenigen auf Grund der besonders schlechten Energiebilanz aber nicht“, so Auen weiter.

Sven Auen versichert: „Jede Genossenschaft prüft den Einzelfall genau, bespricht sich mit verschiedenen Verantwortlichen in der Stadt und den jeweiligen Aufsichtsgremien der Genossenschaft. Wir führen umfangreiche Info-Veranstaltungen durch und setzen die betroffenen Mieterinnen und Mieter frühzeitig über die geplante Maßnahme in Kenntnis.

Also: Gibt es nicht doch eine Möglichkeit, das Gebäude zu erhalten? Manchmal planen wir sogar verschiedene Varianten. Wir machen es uns nicht leicht und gehen oft an die Grenze des Machbaren. Erst wenn alles andere nicht möglich ist, entscheiden wir uns – in den allermeisten Fällen im Konsens mit unseren Mitgliedern – für einen Abriss.“

Auch Genossenschaften müssen auf Wirtschaftlichkeit achten

Am Ende gelte auch für soziale Vermieter, dass der Euro immer nur einmal ausgegeben werden könne, so Sven Auen weiter. „Wohnungsgenossenschaften existieren im Norden seit mehr als 150 Jahren. Sie haben Krieg, Inflation, Zerstörung, Wiederaufbau nur deshalb ‚überstanden‘, weil sie stets nachhaltig und mit Augenmaß gewirtschaftet haben. Zudem sind die Vorstände ihren Mitgliedern gegenüber verpflichtet, das Vermögen und die Wohngebäude der Genossenschaft zu erhalten.“

Wenn ein Abriss zu einer besonderen Härte bei den betroffenen Mieterinnen und Mietern führt, gingen die Genossenschaften solidarisch vor, sagt Sven Auen. „Wir informieren zumeist mehrere Jahre vorher und lassen den Menschen Zeit für einen Umzug. Wir kümmern uns um Ersatzwohnungen, unterstützen beim Umzug und bieten den Mieterinnen und Mietern an, in das angestammte Quartier zurückkehren zu können.

Damit bleibt der Abriss für Genossenschaften das, was er immer war: die letzte, wohlüberlegte Option, wenn Verantwortung für unsere Mieter, Klima und bezahlbares Wohnen keine andere Wahl mehr lässt.“

Oliver Schirg


*Sven Auen ist Vorstandsvorsitzender der WOGE Wohnungs-Genossenschaft Kiel eG

17 Wohnungsbaugenossenschaften in Schleswig-Holstein haben sich zum Verbund Wohnungsbaugenossenschaften Schleswig-Holstein e.V. (WBG) zusammengeschlossen. Das Motto: Lebenslanges Wohnrecht, moderner Wohnraum in großer Auswahl und zu fairen Preisen – und auch noch Mitspracherecht in unterschiedlichen Gremien! In einem klassischen Mietverhältnis undenkbar, aber in einer Wohnungsbaugenossenschaft ganz normal. Denn wer dort wohnt, ist nicht einfach Mieter, sondern Mitglied und kann deshalb ein ganz besonderes Wohngefühl genießen.

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köln ag: Bezahlbares Wohnen in Köln ist unter Druck – „Zweite Miete“ wächst weiter

Jede vierte Mietwohnung ist eine Wohnung eines köln ag-Mitglieds, sagte der Vorsitzende Rouven Meister. Foto: HW/ WBG Mieterschutz.

Beim Jahresauftakt der Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen (köln ag) hat der Vorsitzende Rouven Meister auf die angespannte Lage am Kölner Wohnungsmarkt hingewiesen und die Rolle der sozial orientierten Wohnungswirtschaft betont. Die 57 Unternehmen der Kölner Wohnungswirtschaft – darunter auch die GAG – zählen 190.000 Wohnungen in Köln und Umgebung zu ihrem Bestand: Jede vierte Mietwohnung ist damit eine Wohnung eines köln ag-Mitglieds.

„Steigende Wohnkosten, stagnierender Neubau und hohe Baukosten stellen weiterhin große Herausforderungen dar“, informierte Meister. Die durchschnittliche Nettokaltmiete lag 2025 bei den Unternehmen der köln ag bei 7,89 Euro pro Quadratmeter. Die Neuvertragsmiete (berücksichtigt sind sowohl Verträge für Neubauten als auch für Bestandsimmobilien) lag bei 10,52 Euro – deutlich unter dem freien Markt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen investierten die Unternehmen nach eigenen Angaben im letzten Jahr rund 785 Millionen Euro in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung. „Die Mieten sind im Durchschnitt nur um drei Prozent – in Zahlen ausgedrückt um 23 Cent pro Quadratmeter – gestiegen. Auf den ersten Blick ist das eine gute Nachricht, aber wir müssen sehen, dass auf Dauer bei solchen Mietpreisen Bestandssanierung schwierig wird“, so Meister.

Grundsteuer und Gebühren: Mehrkosten von 62 Euro pro Jahr

Besonders kritisch sieht die köln ag die wachsende Belastung der sogenannten „zweiten Miete“. Die jüngste Erhöhung der Grundsteuer sowie gestiegene Gebühren für Müll, Abwasser- und Straßenreinigung führten laut Meister bei einer Wohnung mit durchschnittlich 67 Quadratmetern zu Mehrkosten von rund 62 Euro pro Jahr. „Nur wenn Energie- und Betriebskosten bezahlbar bleiben, ist Wohnen sozial verträglich“, so die Überzeugung von Meister.

Aktuelle Zahlen der Stadt Köln unterstreichen nach Ansicht der köln ag die Zuspitzung der Marktlage: Bereits 32,5 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens fließen im Durchschnitt in die Bruttokaltmiete, bei Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Einkommen sogar 47 Prozent. Gleichzeitig kamen Im Jahr 2024 netto nur 1.547 Neubauwohnungen hinzu – so wenige wie seit 1990 nicht mehr. 706 Neubauwohnungen wurden nach Angaben von Rouven Meister im Jahr 2025 von Mitgliedsunternehmen der köln ag realisiert. „Die sozialorientierte Wohnungswirtschaft ist damit ein entscheidender Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Köln“, betonte Meister.

80 Prozent der Kölner leben nach städtischen Angaben in Mehrfamilienhäusern

„Der Neubau von Mehrfamilienhäusern, zentrales Thema für bezahlbares Wohnen, bleibt deutlich hinter dem Bedarf zurück. 80 Prozent der Kölner leben nach städtischen Angaben in Mehrfamilienhäusern. Zwar wurde die NRW-Wohnraumförderung bis 2027 auf 12 Milliarden Euro aufgestockt, doch hohe Baukosten, zusätzliche technische Standards und die Vergabe städtischer Grundstücke im Erbbaurecht erschweren weiterhin wirtschaftliche Projekte“, informiert Meister. Bedingt durch die steigende Zahl von Studenten und älteren Menschen werde jede zweite Wohnung von nur einer Person bewohnt.

Positiv wertete Meister, dass das Thema Wohnungsbau mit dem sogenannten „Bauturbo“ wieder stärkere Aufmerksamkeit bekomme. Die Teilnahme an der städtischen Initiative „Köln baut bezahlbar | Wohnen für alle“ und die Mitwirkung im neu zusammengesetzten Wohnungsbauforum stehen genauso auf seiner Tagesordnung wie die weitere Zusammenarbeit mit Haus und Grund, BFW NRW und Wohnungsbau Initiative Köln in der „Allianz für mehr bezahlbaren Wohnraum“.

Neben Markt- und Baufragen hob Meister auch die Bedeutung der Branche als Arbeitgeber hervor: Aktuell bilden die Mitgliedsunternehmen der köln ag 100 Auszubildende aus.

Quelle: Köln ag

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Neue Mindestanforderungen: ESG ab dem Berichtsjahr 2025 prüfungsrelevant

Neue Mindestanforderungen: ESG ab Berichtsjahr 2025 relevant
Lara Berz, Beraterin bei DOMUS Consult. Quelle: DOMUS Consult / Karoline Wolf

Für die meisten Wohnungsunternehmen entfällt zwar die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU – relevant bleiben Angaben zur Nachhaltigkeit aber dennoch. Denn ab dem Berichtsjahr 2025 sind die neuen ESG-Mindestanforderungen der Prüfungsorganisation des GdW Bestandteil der Jahresabschlussprüfung. DOMUS Consult erläutert, was konkret auf die Unternehmen zukommt.

Die CSRD gilt künftig nur noch für sehr große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Millionen Euro Jahresumsatz. Für die große Mehrheit der Wohnungsunternehmen entfällt damit die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Freiwillige Nachhaltigkeitsberichte – etwa auf Basis des europäischen VSME-Standards – bleiben möglich, sind aber nicht vorgeschrieben.

Unabhängig davon hat sich die Prüfungsorganisation des GdW darauf verständigt, ab dem Berichtsjahr 2025 verbindliche ESG-Mindestanforderungen für Wohnungsunternehmen ein. Diese müssen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung berücksichtigt werden und legen fest, welche nachhaltigkeitsbezogenen Informationen die Unternehmen systematisch erfassen, bewerten und dokumentieren müssen.

Zwölf Mindestanforderungen – konkret und prüfungsrelevant

Der neue Standard umfasst zwölf ESG-Mindestanforderungen, die ökologische, soziale und Governance-Aspekte abdecken. Dabei geht es nicht allein um Nachweise, sondern auch um die wirtschaftliche Bedeutung dieser Themen.

Die Energieeffizienzklassen des Objektbestands liefern einen ersten Überblick zur Abschätzung möglicher Sanierungserfordernisse.

Der Energiebezug, die Scope 1-Emissionen und CO₂-Kosten zeigen, wo Risiken und Investitionsbedarfe zur Umsetzung der Wärmewende bestehen.

Die Dekarbonisierungsmaßnahmen operationalisieren politische und unternehmerische Klimaziele und übertragen diese in die Bau- und Wirtschaftsplanung.

Ergänzend dazu werden ausgewählte soziale und Governance-Aspekte abgefragt, etwa der Anteil des geförderten Wohnraums am Bestand, die durchschnittliche Bestandsmiete sowie Verhaltenskodizes für die Mitarbeitenden.

Von der Datenerfassung zur Unternehmenssteuerung

Das Ziel ist kein umfassender Nachhaltigkeitsbericht, sondern ein belastbares ESG-Inventar, das gegebenenfalls Handlungsbedarfe sichtbar macht. „Die ESG-Mindestanforderungen machen schnell deutlich, wo das Unternehmen schon gut aufgestellt ist und wo Risiken bestehen“, sagt Lara Berz, Beraterin bei DOMUS Consult.

Für eine vorausschauende Unternehmensführung sind diese Informationen sehr wertvoll. Denn ohne belastbare ESG-Daten lassen sich Investitionspläne, Klimapfade und Finanzierungsentscheidungen künftig kaum darstellen. Die ESG-Mindestanforderungen schaffen hierfür eine einfache Grundlage.“

Wohnungsunternehmen können die Daten nicht nur für die Jahresabschlussprüfung, sondern auch für das interne Risikomanagement sowie für Gespräche mit Banken, Förderinstituten oder Aufsichtsgremien nutzen.

Seit mehr als 25 Jahren berät die DOMUS Consult erfolgreich die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, mittelständische Unternehmen anderer Branchen und öffentliche Auftraggeber. Für die vielfältigen Herausforderungen steht ein breites Spektrum an Beratungsleistungen bereit, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Hauptgesellschafterin der DOMUS Consult ist die DOMUS Steuerberatungs-AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Auch über ihre weiteren Gesellschafter, den Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e. V. (vtw) und den Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG), ist sie eng an die Wohnungswirtschaft angebunden. www.domusconsult.de

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