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Die Brückenbauerinnen

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Die Ausstellung „Frauen Bauen Stadt“ porträtiert 18 Architekten und Stadtplaner aus aller Welt. Warum es solche Schauen braucht, erklären die beiden Kuratoren Katja Schechtner und Wojciech Czaja.

Hunderte Menschen wandern über die Brücke, nehmen für ein paar Minuten Platz im Schatten und schauen hinaus auf die Stadt. Die 270 Meter lange Tabiat Bridge im Norden Teherans überspannt nicht nur eine Autobahn, sondern verbindet zugleich zwei öffentliche Parkanlagen. An der breitesten Stelle der Brücke wurde sogar ein Café mit Bar und Gastgarten eingerichtet. „Das Geheimnis dieser Brücke ist, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, von einem Ende zum anderen zu gelangen“, sagt die iranische Architektin Leila Araghian, die gemeinsam mit ihrem Partner Alireza Behzadi das Büro Diba Tensile Architecture leitet. „Es ist schön zu sehen, wie die Menschen das Angebot annehmen, wie sie den Ort genießen, wie sie sich gegenseitig fotografieren und nachdenklich in die Wolken schauen.“

Die ungewöhnliche Fußgängerbrücke, die mit dem renommierten Aga-Khan- Preis 2016 ausgezeichnet wurde, ist eines von insgesamt 18 Projekten, die in der Seestadt Aspern noch bis 15. Oktober in der Open-Air-Ausstellung „Frauen Bauen Stadt. The City Through a Female Lens“ zu sehen sind. Die beiden Kuratoren Wojciech Czaja und Katja Schechtner, Stadtforscherin am MIT, zeigen darin Architektinnen, Stadtplanerinnen und Städtebauerinnen, die in den letzten 150 Jahren die Stadt geprägt und mitgestaltet haben. Der Fokus richtet sich auf realisierte Projekte in aller Welt. Der Maßstab reicht vom XXL wie Masterplan bis zum kleinsten Baustein wie etwa Kunst, Stadtmöbel und temporäre Interventionen.

Neue Aufenthaltsqualität

„Die Tabiat Bridge in Teheran ist ein gutes Beispiel dafür, wie Frauen den öffentlichen Raum auffassen und nach welchen Kriterien sie diesen gestalten“, sagt Schechtner. „Denn während sich die männliche Perspektive darauf konzentriert, den Stadtraum vor allem als Mobilitätsraum zu verstehen, um möglichst schnell und effizient von A nach B zu gelangen, zeigt sich in den Positionen von Frauen eine Präferenz für eine gewisse Aufenthaltsqualität. Die Stadtprojekte von Frauen sind tendenziell auch zum Gehen, Sitzen, Liegen, Skaten und Schwimmen da.“

Stellt sich also die Frage: Planen Frauen anders als Männer? Und schaut eine weibliche Stadt anders aus als eine sogenannte männliche? „Das kann man nicht verallgemeinern“, meint Czaja. „Auf jeden Fall aber ist die weibliche Perspektive ein essenzieller Beitrag zu Vielfalt und Diversität. Und ein Beitrag der nicht verschwiegen werden darf. Genau darauf wollen wir hinweisen.“

Dass die Brooklyn Bridge 1883 von Emily Warren Roebling – einer Baumeisterin – geplant und fertiggestellt wurde, wissen nur die wenigsten. Und als Marion Mahony Griffin 1911 den Wettbewerb für den Masterplan der neuen australischen Hauptstadt Canberra gewonnen hat, schien ihr Name im Protokoll und in den Medien nirgendwo auf…

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