Bauen fürs bezahlbare Wohnen, aber wie? Schneller, einfacher, klimafreundlicher – oder gar nicht?

Liebe Leserinnen, lieber Leser.

Die Heizkostenabrechnung für das Jahr 2025 kann im Frühjahr 26 für viele Mieter:innen ein Schock werden. Fernwärme ist im Bundesdurchschnitt um 13,2 Prozent teurer geworden, in Städten wie Karlsruhe oder Halle (Saale) sogar um bis zu 21 Prozent. Gas und Strom legten ebenfalls deutlich zu.

Der Grund: Die Heizperiode war deutlich kälter als im Vorjahr – gleichzeitig fehlt es vielerorts weiterhin an einer flächendeckend bezahlbaren und klimafreundlichen Wärmeversorgung. Die Quittung bekommen nun vor allem jene Haushalte, die sich ohnehin schon strecken mussten.

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Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs.

Die eigentliche Frage lautet: Wie schaffen wir es, angesichts explodierender Baukosten, ehrgeiziger Klimaziele und einer sich zuspitzenden Energiekrise bezahlbaren und zugleich zukunftsfähigen Wohnraum zu schaffen?

Beim 3. Norddeutschen Wohngipfel wurde die Antwort versucht.

Fünf Bundesländer einigten sich auf eine gemeinsame Erklärung: Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen deutlich schneller werden, Baukosten müssen runter, der soziale Wohnungsbau bekommt Priorität. Gute Absichtserklärungen – aber ohne verbindliche Umsetzung droht der politische „Bau-Turbo“ zum Rohrkrepierer zu werden. Fakt ist: Wer heute ohne Förderung baut, muss laut Branchenangaben Nettokaltmieten von 18 bis 20 Euro je Quadratmeter verlangen, um wirtschaftlich zu bleiben. Das ist für breite Bevölkerungsschichten schlicht nicht mehr bezahlbar.

Gleichzeitig rückt der energetische Zustand des Gebäudebestands stärker in den Fokus. Die Wohnraumauflagen – etwa durch effizientere Heizsysteme, bessere Dämmung oder individuelle Steuerungstechnik – können dabei helfen, Einsparpotenziale im Bestand zu heben. Das spart Energie, schont das Klima und entlastet direkt die Nebenkosten. Aber wer kann sich das bei steigenden Kosten, Zinsen etc. leisten.

Auch Balkonkraftwerke tragen ihren Teil bei.

Mit aktuell rund 1,15 Millionen gemeldeten Geräten in Deutschland produzieren sie dezentral Sonnenstrom, senken die Stromrechnung und geben Mieter:innen erstmals eine aktive Rolle in der Energiewende. Doch Mythen, Bürokratie und Halbwissen bremsen ihre Verbreitung weiterhin aus.

Klar ist:

Wenn es draußen kalt, grau und windstill ist, braucht es verlässliche Alternativen zu Sonne und Wind. Die Wärmewende ist deshalb mehr als nur ein Solarprojekt. Im Wohnquartier “Stellinger Linse” im Hamburger Norden zeigt die Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG gemeinsam mit der „HanseWerk Natur“ wie klimafreundliche Wärmeversorgung funktioniert: Ein Biomethan-Blockheizkraftwerk, Solarthermie auf Hochhausdächern und moderne Wärmespeicher erzeugen vor Ort über 70 Prozent der benötigten Wärme – der Rest kommt aus dem Fernwärmenetz. Der Primärenergiefaktor liegt bei beeindruckenden 0,26, ein Vorzeigewert, der zeigt, wie klimasmarte Quartierslösungen heute schon aussehen können.

Und die Wissenschaft geht noch weiter. Das DualVac™-System zur Nutzung tiefen Geothermie könnte eine echte Alternative für urbane Räume werden – unabhängig vom Wetter, verfügbar rund um die Uhr. Wenn solche Technologien skalierbar gemacht werden, eröffnet dies neue Perspektiven für eine sichere, fossilfreie Wärmeversorgung – in Städten ebenso wie in industriellen Ballungsräumen.

Was es jetzt braucht, ist der politische Wille, diese Lösungen in die Breite zu tragen. Dazu gehören ein entschlacktes Bauordnungsrecht, rechtssichere Standards wie der Gebäudetyp E und ein klarer Vorrang für sozialen Wohnungsbau im Baugesetzbuch. Ohne diesen Rahmen bleibt jede Wärmestrategie Stückwerk.

Der Druck wächst – sozial, wirtschaftlich und klimapolitisch. Wer heute nicht baut, baut am Problem von morgen.

Januar 2026, Wohnungswirtschaft energie., Ausgabe Nummer 30, mit neuen Inhalten.

Klicken Sie mal rein.

Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig.

Ihr Gerd Warda

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