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Gestern, heute, morgen: Ist nachhaltiges Leben in der Stadt immer noch eine Utopie oder greifbare Zukunft?

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Neulich bei meiner Oma: Sie zeigte Fotos und erzählte von den Abgaswolken und Blechlawinen, die sie im Laufe ihres Lebens an sich hat vorbeiziehen sehen. Heute ist die Straße vor dem Mehrfamilienhaus, in dem Oma immer noch wohnt, bunt bepflanzt. Es gibt Sitz- und Spielmöglichkeiten, die frische Luft riecht gut, Autos parken hier nicht mehr – wie konnte es dazu kommen? Eine gedankliche Reise zwischen gestern, heute und morgen.

Die Stadt auf Omas Fotos kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Heute sind Nahverkehr und Radwege so gut ausgebaut, dass sich ein Auto, selbst, wenn es mit Wasserstoff fährt, gar nicht mehr lohnt. Oma geht jetzt am liebsten zu Fuß, dann bekommt sie mehr von der Nachbarschaft mit. Sie sagte, ihre Nachbarn hätte sie damals kaum gekannt, geschweige denn mit ihnen etwas unternommen. Jetzt kümmern sich alle zusmamen um die Gemeinschaftsräume oder gestalten die öffentlichen Flächen draußen mit. All das hatte sich geändert, als die CO2 Preise so hochgestiegen sind, dass eine Energiewende, Verkehrswende und dann auch die Bauwende nicht nur ökologisch und sozial unumgänglich wurden, sondern für viele auch finanziell. Kaum zu glauben, dass die Gesundheit und Sicherheit von Menschen allein keine ausreichenden Gründe für Veränderung waren. Offenbar mussten erst einige Katastrophen geschehen, bevor die zeitliche und räumliche Nähe des Klimawandels verstanden wurde.

Lehren aus den Überschwemmungsjahren

Erst nach den Überschwemmungsjahren änderte sich die Stadtplanung und wandte erforschtes Wissen an, um den natürlichen Wasserkreislauf und Sicherheit wiederherzustellen. Was eine Schwammstadt ist, wissen heute fast alle und ist gängige Planungspraxis: Wenn es regnet, nimmt der versickerungsfähige Boden das Wasser auf und gibt es später wieder ab. Unsere Städte haben viele Grünflächen oder permeable Gehwege, in denen das Wasser direkt in die Erde versickert und später über die Pflanzen wieder verdunstet. Zusätzlich sammeln wir Regenwasser, z.B. für Toiletten- und Waschmaschinennutzung, das puffert ebenfalls und verschwendet kein Trinkwasser. Die Kanalisation kommt so bei Starkregen nie an ihre Grenzen. Im Sommer kühlt die Verdunstung fantastisch, sodass Innenräume über die natürliche Belüftung gekühlt werden. Gesunde Materialien im Innenraum gleichen zusätzlich das Raumklima aus. Meine Oma schwärmt von ihren Lehmwänden. Früher hatte sie noch das Bedürfnis, eine Klimaanlage einzubauen; die Hitze war eine gesundheitliche Belastung. Hitzetote und klimabedingte Brände gibt es nun glücklicherweise nicht mehr. Die waren vor der Wende auf einem Rekordhoch. Die Städte, die nicht rechtzeitig reagiert haben, hatten damals mit starker Landflucht zu kämpfen und die sozialen Unterschiede wurden immer stärker.

Blühende Städte

Für stärkere Regenereignisse und Kühlung gibt es heute im öffentlichen Raum Retentionsbecken, die sich mit Regenwasser füllen und neue Landschaften kreieren: kleine eingeplante Bäche und Seen in der Stadt, mit darauf schwimmenden Plattformen. Das ist ein Spaß! Insbesondere als Kind habe ich das geliebt. Plötzlich sieht die Stadt ganz anders aus, hört sich anders an, riecht anders, wenn die Pflanzen in den Straßen, an den Fassaden und auf den Dächern rund um die Solarpanele anfangen zu blühen. Überall summt und brummt es dann, das macht Oma immer glücklich, denn viele dieser Insekten waren damals vorm Aussterben bedroht. Sie schätzt es sehr, dass unsere Städte mittlerweile mit der Natur geplant und Gebäude von ihrer Diversität inspiriert werden…

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