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Die Qual der Wahl

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Es gibt eine Reihe an Wohnoptionen für die verschiedenen Lebensphasen im Alter. Die unterschiedlichen Konzepte standen beim 65. Symposium zur Zukunft des Wohnens im Zentrum wie auch die Bedürfnisse der Menschen und die Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft.
FRANZISKA LEEB

Der Veranstaltungsort des Wohnsymposiums widerspiegelte die Vielfalt an betreuten Situationen, denn hier im Pflegewohnhaus Ingrid-Leodolter im 15. Bezirk in Wien treffen Jung und Alt zusammen – siehe dazu auch den Artikel auf S. 16. „Ich mache die Erfahrung, dass sich die Leute nicht auskennen“, ortete die Wiener Pflegeanwältin Sigrid Pilz in ihrer Einstiegsrede hohen Aufklärungsbedarf. Die erste Reaktion von Betroffenen ist oft „ich will da nicht hin“, wenn Angehörige den Umzug in eine Pflegeeinrichtung oder betreute Wohnform vorschlagen. Man müsse die Menschen mitnehmen und sich damit befassen, was sie wirklich wollen.

Denn was würde in Pflegeeinrichtungen oft geboten? Kindergartenprogramm. Niveauvolles Kulturprogramm, das auf Ältere maßgeschneidert sei, gäbe es hingegen kaum. Ebenso kritisch sieht sie Demenzdörfer, in denen den Bewohnern eine Fake-Welt à la Truman-Show vorgegaukelt werde, und die digitale Überwachung, der in privaten Haushalten demente Menschen aus falsch verstandener Fürsorglichkeit ausgesetzt werden.

Die stationäre Vollversorgung müsse – weil für die meisten eine Fehl- und Überversorgung – jedenfalls die Ausnahme bleiben. Aber das Wohnen im vertrauten Grätzel könne man nicht verordnen, das müsse man ermöglichen. So das Fazit von Sigrid Pilz.

Soziale Kontakte und Geselligkeit

In Österreich leben rund 150.000 Menschen mit einer demenziellen Beeinträchtigung, in dreißig Jahren werden es geschätzt 260.000 sein. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich auch eine gute Nachricht: es steigt die Lebenserwartung und damit auch der Zeitraum an gesunden Jahren in der nachberuflichen Phase. Doch Gesundheitszustand und gesellschaftliche Teilhabe sind stark vom Bildungsgrad und der sozialen Lage abhängig.

Es ist also unmöglich, die rund 1,7 Millionen Menschen in der Altersgruppe der über 65-jährigen in einen Topf zu werfen – und damit gibt es kein Patentrezept für „die“ geeignete Wohnform im Alter, sehr wohl aber Nachholbedarf, um einer diverser werdenden älteren Bevölkerung ein adäquates Wohnangebot zu bieten. Dabei geht es nicht nur um die Wohnungen selbst, sondern auch um städtebauliche Maßnahmen und soziale Infrastrukturen im Wohnumfeld, um die Menschen in das Quartiersleben einzubinden.

Auf dem Sektor der institutionellen Pflege, die durchwegs erst ab Pflegestufe 4 in Anspruch genommen werden kann, hat sich im Lauf der 2000er-Jahre ein eklatanter Wandel vollzogen, der besonders am Beispiel des Wiener Geriatriekonzepts ablesbar ist, wo die aus der Monarchie stammenden Großkasernen der Wiener Altenversorgung geschlossen wurden und innerhalb weniger Jahre ein über die ganze Stadt verteiltes Netz moderner Pflegewohnhäuser entstand. Auch wenn es sich dabei um Häuser für Menschen…

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