Alles bekannt oder gibt es neuartige Schadenbilder?

Nach 2000 sind vermehrt Korrosionsschäden an kupfernen Trinkwasserleitungen aufgetreten, die ein völlig neuartige Schadenbild gegenüber den Lochkorrosionsschäden an hart gelöteten Rohren vor dem Jahr 2000 zeigen. Beispielsweise traten im Jahr 2011 an der Neuinstallation des Trinkwassersystems in der JVA Willich auf einer Länge von ca. 7,5 km an kupfernen Trinkwasserleitungen mehr als 500 Leckagen auf.

Die Ursache konnte nicht eindeutig geklärt werden. Gleichwohl wurde vor Gericht argumentiert, dass das Rohrmaterial keine Fehler aufweist und es sich um zertifizierte Materialien handelt, das Trinkwasser innerhalb der zulässigen Grenzwert liegt. Aus dieser Logik kann der Fehler dann nur noch beim Installateur liegen. Obwohl keine fachlichen Fehler nachgewiesen wurden. Dies war nicht der einzige Fall, wo vom Gericht bestellte Gutachter kein eindeutiger Nachweis von Fehlern des Installateurs nachgewiesen werden konnte.

Daher wurde vom Fachverband SHK NRW die Empfehlung ausgesprochen, im betroffenen Wasserversorgungsgebiet Holsterhausen kein Kupfer mehr für die TWI zu verwenden.

- Anzeige -

Doch was ist bei diesen Schäden anders als bei den bekannten Lochkorrosionsarten von hartgelöteten Kupferrohren?

Beispiel 1: Untersuchungsbefund MFH an einem Kupferrohr der Trinkwasserinstallation

Im ersten Fall wurden zehn Leitungswasserschäden in einem Mehrfamilienhaus seit 2011 festgestellt. Es waren gehäufte Durchbrüche mit einem völlig anderen Schadenbild als bei den bekannten Korrosionsarten bei Kupfer.

Eine eindeutige Schadenursache konnte nicht ermittelt werden. Stagnierende Teilwasserfüllungen als kritische Betriebsbedingung stellen auf Grund des Schadenbildes dabei die wahrscheinlichste Ursache dar.

Allerdings wird im Gutachten selbst angezweifelt, dass dies an einem vertikalen Rohr aber mit Unsicherheit behaftet ist.

Weiter stellte der Gutachter Im Ergebnis fest: Neben der Feststellung des Schadenbildes ist auf Grund der gesamten Schadenentwicklung mit zehn Schäden seit 2011 und der Ausbildung mehrerer, auch größerer Angriffsstellen in dem kurzen Rohrabschnitt und der prinzipiell anzunehmenden Schadenursache von einer zukünftigen Ausweitung der Schäden als sehr wahrscheinlich auszugehen.

Fachsitzung VDI und erste Ergebnisse

Auf einer Fachsitzung beim VDI Ende 2015, an der neben dem Wasserversorger, eine betroffene Installationsfirma, der Fachverband SHK NRW, Fachkollegen aus den Niederlanden, das IWW, das Kupferinstitut und der Autor teilnahmen, wurde versucht eine gemeinsame Vorgehensweise abzustimmen…

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

Lesen Sie die nächsten Artikel dieser Ausgabe

Lesen Sie Artikel zum selben Thema